Die achte Stele

Der Stelenweg, der das jüdische Leben in Bochum dokumentiert, hat eine neue Halte- und Verweilsstelle erhalten, denn jetzt wurde die achte Stele errichtet. Am alten Bochumer Nordbahnhof, der heute eine Schönheitsklinik beheimatet und früher Ort von Wiedersehen und Abschied war. Darunter auch so manch grausamer Abschied.


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Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer Nordbahnhof

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofWoher? Wohin? Das Netz der Bahn ist eng geflochten. Tausende von Zügen fahren jedes Jahr nach Bochum, oder von Bochum weg. Aus den Augen, aus dem Sinn. Nicht ganz und nicht für immer, wenn es den alten Bahnhof Nord betrifft. Obwohl als Bahnhof schon längst auf dem Abstellgleis, wurde ein Teil seiner Geschichte in diesen Tagen wieder lebendig. Ein Teil, der zur Geschichte der Stadt Bochum gehört.

Dr. Anja Stuckenberger, Leiterin Evangelische Stadtakademie Bochum: Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer Nordbahnhof„Ein Bahnhof, oft eine Zäsur in den Lebensgeschichten. Ein Ort des Ankommens, des Aufbruchs, des Weiterreisens, des Wartens, der Umarmung und des Abschieds. Und der Bochumer Nordbahnhof auch Ort widerwärtiger Ereignisse.“

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofEs geht um die Deportationen Bochumer Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Bochumer Bürger wie Du und ich, die nur wegen ihres Glaubens aus der Mitte der Bevölkerung gerissen wurden.

Dr. Manfred Keller, von 1979 – 2005 Leiter der Evangelischen Stadtakademie: Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer Nordbahnhof„Die Stele, die wir heute der Öffentlichkeit übergeben, erinnert an die Deportation der Bochumer Juden in den Jahren 1941 bis 1945. Sie zeigt die gewaltsame Verschleppung von Menschen, die hier Jahre und Jahrzehnte als Bochumer in guter Nachbarschaft gelebt haben. Und die dann, eines schlimmen Tages, unter unmenschlichen Bedingungen nach Osteuropa in die Ghettos und Konzentrationslager geschafft wurden.“

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofUm an diese Bochumerinnen und Bochumer zu erinnern, wurde jetzt eine Stele errichtet. Eine Schautafel, die in Bild und Text an die Geschichte dieses Ortes erinnert. Die Einweihungsfeier dazu fand virtuell statt.

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofWegen Corona keine Feier sondern ein Video mit stimmungsvollen Auftritten.

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofEs ist bereits die achte Stele, die an das jüdische Leben in Bochum erinnert. Um zu zeigen, wie normal das einmal war, dass Juden Teil der Bochumer Gemeinschaft waren.

Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister Stadt Bochum: Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer Nordbahnhof„Wie sehr Bochumer Jüdinnen und Juden Teil dieser Stadt waren, wird auch dadurch deutlich, dass der letzte demokratisch legitimierte Bochumer Oberbürgermeister vor dem Kriege, Dr. Otto Ruer, jüdischer Herkunft war. An dieses lange und fruchtbare Miteinander von Menschen jüdischen und christlichen Glaubens erinnert ein Projekt, das die Evangelische Stadtakademie Bochum ins Leben gerufen hat. An ganz verschiedenen Orten in unserer Stadt wird hierbei an jüdisches Leben erinnert und zum friedlichen Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Religionen eingeladen.“

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofDie Gedenktafeln des Stelenweges legen oftmals den Finger in die Wunde. Schaut einmal, liebe Betrachter, wie es früher war und dann zerstört wurde. Und was zur Geschichte dieses Ortes alles gehört.

Dr. Michael Rosenkranz, Vors. Des Gemeinderates der Jüdischen Gemeinde: Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer Nordbahnhof„Der zum traurigen Denkmal gewordene Bochumer Nordbahnhof, von dem die jetzt fertiggestellte, weitere Stele berichtet, ist der Ort, von wo aus die Verdichtungsmaßnahmen gegen diese Gemeinde zu ihrem Ende gebracht werden sollte. Doch wurde das verbrecherische Ziel dieses Vernichtungswunsches nicht erreicht.“

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofGeschichte ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weiterreichung des Feuers. Schön, dass sich da auch der Leistungskurs Geschichte des Neuen Gymnasiums Bochum an der historischen Aufarbeitung des Ortes beteiligte.

Nils Vollert, Geschichtslehrer am Neuen Gymnasium Bochum: Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer Nordbahnhof„Die Schülerinnen haben aktiv Erinnerungsarbeit geleistet, sich in das geschichtskulturelle Angebot unser Stadt eingeschrieben und dieses mitgestaltet. Sie haben sich mit der Geschichte unserer Stadt auseinandergesetzt und ein leeres, altes Gebäude mit Erinnerungen verschiedener Zeitalter gefüllt. Sie haben Biografien von Menschen kennengelernt, die ihre Geschichte hier in Bochum gelebt und gelitten haben zu einer vergangenen Zeit.“

Errichtung der achten Stele des Stelenweges am Bochumer NordbahnhofDie Gedenktafel vor dem Bochumer Nordbahnhof ist ein Zeichen: ‚Liebe Familie Pollack, liebe Familie Freimark und viele Andere mehr,ihr seid nicht vergessen!‘


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