Der Kopf des Soldaten

Vor 90 Jahren wurde das Denkmal für den Unbekannten Soldaten in Langendreer errichtet. Vor 30 Jahren wurde ihm von unbekannten Tätern der Kopf abgeschlagen und verschwand unbekannterweise bis ... ja, bis die Bochumschau ihn jetzt gefunden hat. Ein Stück Heimat- und Kriminalgeschichte aus Bochum.


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Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerEin Denkmal ist für gewöhnlich ein Bauwerk, das errichtet wurde, um zu erinnern. Das Problem ist nur meistens, dass die Leute ein Denkmal gar nicht richtig wahrnehmen. Also eigentlich ist es eher ein Ort des Vergessens als des Erinnerns. In diesem Fall hier aber war das ganz anders.

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerDas Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Gemeinde Langendreer an der Kreuzung Unterstraße/Alte Bahnhofstr. Hat schon immer für Aufsehen gesorgt. Jetzt haben Sie es sich lange genug angeschaut um festzustellen ‚Da fehlt doch was?’. Richtig, der Kopf. Der wurde 1987 von bis heute unbekannten Tätern abgeschlagen und entwendet. Ein politischer Konflikt. Die Geschichte ist in Langendreer altbekannt und hochemotional und steht jetzt vor einer neuen Wendung. Denn die Bochumschau hat den Kopf gefunden! Den Original-Kopf von 1929, dem Entstehungsjahr des Ehrenmals.

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerStill ruht er an einem Bochumer Gartenteich und ist auf den ersten Blick gar nicht recht zu erkennen. Doch bei genauerem Hinsehen werden die Konturen eines Gesichtes erkennbar. Der jetzige Besitzer möchte unerkannt bleiben, erzählt aber sein Täterwissen über die Entwendung und Entführung des Kopfes.

Anonymer Besitzer des entwendeten Kopfes: Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer„Wir haben uns vorher ausgeguckt, welches Werkzeug wir brauchen um den Kopf dort losschlagen zu können. Sind dann nachts vorgefahren und haben, jemand auf der Schulter tragend oder sitzend, das Werkzeug angebracht. Haben das Werkzeug einfach benutzt, um eine Kraft aufzubringen, die den Kopf auch runterschlagen kann. Dies war sicherlich nicht so einfach. Der Kopf ist dann aber runtergepurzelt, ziemlich schnell, es hat gut funktioniert und wir haben den Kopf dann mitgenommen und sind abgehauen.“

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerDie Enthauptung fand im Oktober 1987 statt. Was war das für eine Zeit in den 80er Jahren, als Denkmäler, wie die Soldaten im Stadtpark-Eingang, politisch so umstritten waren, dass sie gestürzt oder zerstört wurden. Denkmäler, die zwar an die Gefallenen des ersten Weltkrieges erinnern sollten, aber vom Geist des Revanchismus durchdrungen waren. Auch der Löwe an der Königsallee gehört in diese Reihe. Daran stießen sich die vornehmlich aus linken Kreisen stammenden Denkmalstürmer.

Anonymer Besitzer des entwendeten Kopfes: Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer„Ja, das Denkmal steht natürlich in erster Linie für die Verherrlichung von Kriegen, sowohl vom ersten oder auch vom zweiten Weltkrieg und natürlich auch für eine ganz bestimmte Ideologie. Natürlich die des Deutschen Reiches und der Nazi-Herrschaft.“

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerErst die Loslösung von Erde und Moos zeigt das wahre Antlitz. Der Unterkiefer fehlt leider, er wurde Opfer von Hammerschlägen. Aber der Rest ist dann schon deutlich erkennbar. Und auch der Ehrenmalverein aus Langendreer, den es noch heute gibt, bestätigt nach Vorlage des Bochumschau-Materials die Authentizität des Original-Kopfes aus dem Jahr 1929, der seit über 30 Jahren verschollen ist. Auch wenn er nicht mehr so aussieht wir damals.

Dieter Maiweg, Vorsitzender Ehrenmalverein Langendreer: Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer„Der Kopf, so wie er sich heute darstellt, ist ja ein Relikt der Vergangenheit. Und das muss man ganz klar sagen, der Kopf hat also durch das Abschlagen seinerzeit sehr gelitten.“

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerZur Geschichte: Das Ehrenmal wurde im Jahr 1929 im Auftrag der Langendreer Kriegervereine errichtet. Es sollte eigentlich vor dem Amtshaus entstehen, doch dagegen sträubten sich die lokalen Politiker, die nicht vom vaterländischen Geist durchdrungen waren, wie es damals in einer Zeitung hieß.

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerAuf der 8,5 m hohen Säule steht der Erinnerungsspruch, zur Einweihung gab es noch Bronzetafeln mit Namen aller 956 gefallenen Soldaten aus Langendreer. Der 2,85 m große Soldat, den Helm in der Hand, schaut sinnend hin zu den Schlachtfeldern und den gefallenen Kameraden. So interpretierte das der heimische Berichterstatter im Jahre 1929. Im Jahr 1968 wurde noch diese zusätzliche Tafel angebracht, sonst ist alles original. Welche Bedeutung hat dieses Denkmal denn noch heute, 90 Jahre später?

Dieter Maiweg, Vorsitzender Ehrenmalverein Langendreer: Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer„Bedeutung hat das Denkmal eigentlich einmal für die Bevölkerung, so auch für mich, weil so ein Denkmal uns immer vor Augen hält, dass heute, in der Zeit wo wir Frieden, Freude, Eierkuchen haben, alle satt werden, dass es in unserer Vergangenheit sehr viel andere Zeiten gegeben hat, wo es uns und auch anderen nicht so gut ging.“

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerDieter Maiweg wohnt in einem alten Gutshof am Mühlenkamp und ist nicht nur der Vorsitzende des Langendreer Ehrenmalvereins sondern auch der Großneffe der Stifterin des Denkmalgrundstückes, einer Frau Oberwestermann. Er hat zwar in den 80ern die unbekannten Täter mit angezeigt, besitzt aber eher eine persönliche Beziehung zu dem Ort als zu der politischen Geschichte des Ehrenmales. Die ist in der Tat auch heute noch sichtbar

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerWir haben uns einen Weg durch das dornenreiche Dickicht auf der Rückseite des Denkmals gekämpft und sind auf diese Inschrift gestoßen: „Einst kommt der Tag, da alle Welt euren Ruhm verkünden wird“. Ein Paradebeispiel dafür, wenn Erinnerungskultur politisch missbraucht wird. Das ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür, warum es keinen neuen Kopf mehr geben wird. Einmal wurde es ja versucht, und schnell war auch dieser wieder weg.

Dieter Maiweg, Vorsitzender Ehrenmalverein Langendreer: Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer„Es wäre schade, einen neuen Kopf wieder für 10.000 € oder mehr drauf zu setzen, wenn man der Gewissheit folgt, dass er sowieso nur 14 Tage oder drei Wochen oder ein Jahr drauf sitzen bleibt und er dann wieder abgeschlagen wird.“

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerDer Ehrenmalverein in Langendreer hat erkannt, dass dieser Kopf in diesem Zustand kein Partner mehr für die verwaiste Stange ist. Da soll er, nach Meinung der jetzigen Besitzer, auch gar nicht mehr hin. Was tun? Die Bochumschau hat einen Vorschlag: Warum wird er nicht an das Stadtarchiv übergeben, da stehen ja auch schon die abgesägten Soldaten.

Anonymer Besitzer des entwendeten Kopfes: Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-Langendreer„Es gibt jetzt schon die Überlegung, dass es die Möglichkeit geben kann, den Kopf in irgendeiner Form der Öffentlichkeit zurückzugeben. Ob es jetzt das Stadtarchiv ist, was ein geeigneter Ort wäre.“

Der Kopf des Soldaten vom Kriegerdenkmal in Bochum-LangendreerAuch wenn der Kopf aus Muschelkalk ist, ist der Gartenteich nicht wirklich ein geeigneter Ort für dieses Stück Stadtgeschichte. Wir versuchen zu vermitteln und hoffen auf eine baldige Übergabe.


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