Toilettenhäuschen

Es gibt Menschen, die verlieben sich förmlich in eine Kirche, ein Schloß oder in ein ganz besonderes Bauwerk. Selten hört man von solchen Gefühlen beim Anblick einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Außer vielleicht, es handelt sich um das alte Toilettenhäuschen an der Herner Straße, Ecke Bergbaumuseum. Da wurde zumindest der Bochumer Fotograf Michael Korte mehr als schwach und so entwickelte sich eine Geschichte, die nach Jahrzehnten der Entleerung und Zerstörung ein Happy End in einer Kunsthalle fand.


Toilettenhäuschen

ToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenToilettenhäuschenHier trifft es wirklich einmal zu wenn man sagt, 'im Schatten des Bergbaumuseums’ liegt ein kleines spannendes Gebäude mit feuchter Vergangenheit, und farbenfroher Gegenwart. Direkt vor der Einfahrt zur Herner Straße, am Bogen der Eisenbahnbrücke liegt die Neonhalle und direkt davor ihr Besitzer Michael Korte, ehemaliger Fotograf der Bochumer WAZ, und jetzt Betreiber der Neonhalle. Es ist kleines Haus mit einer großen Idee, und bemerkenswerter Privatinitiative, dieses Gebäude hier kennen die meisten Bochumer noch als Toilettenhäuschen, 1912 Erbaut und dann über 80 Jahre getrennt für Damen und Herren als öffentliches Toilettenhäuschen genutzt. Bis im Jahr 1996 einem LKW-Fahrer ein folgenschwerer Fehler unterlief.

Michael Korte: „In einer Straße die unter dieser Brücke durchführt hat er eine Höhe die für Lastwagenfahrer kritisch war, und wenn man nicht aufpasste, konnte man unter dem Bogen stecken bleiben. In diesem konkreten Fall war das so, das der Lastwagen halbwegs stecken geblieben ist, und danach dann direkt in das Klohaus gefahren ist in eine der Säulen.“

Die äußere Gestalt war arg zerstört, die Säulen beschädigt, das Gebäude war dem Abriss geweiht. Die Stadt als Besitzer sah nun wahrlich keinen Grund mehr, dieses Uringetränkte Gebäude zu retten. Da kam der Lastwagen gerade recht, doch Michael Korte schaffte zusammen mit einigen Mitarbeitern das dass Gebäude unter Schutz gestellt wurde.

Michael Korte: „Es ist dann ein Denkmal geworden, ich habe nach wie vor gesagt, ich möchte das gerne Mieten, die Stadt hat das dann insofern gewährt, das sie von jeglichen Kosten freigestellt wird die das Haus macht. Das heißt ich zahle einen symbolischen Mietpreis für dieses Gebäude muss mich allerdings wie ein Eigentümer drum kümmern.“

Es wurde wieder aufgebaut, es war nicht einfach, solche Muster mauert fast niemand mehr, und es wurde umgebaut, denn Korted&Co wollten das Klohäuschen in ein Kunsthäuschen verwandeln, alle Trennwände wurden herausgerissen, das Ergebnis, eine Kunsthalle oder besser gesagt, ein ‚Hällchen’.

Michael Korte: „Das war eben mein kleiner Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst.“

Und wie grauer Beton in buntem Glanz erstrahlen kann zeigt heute die Ausstellung von Martina, elf Quartette aus jeweils vierteiligen Leinenwänden, in Gelbtönen gehalten, leuchten hier warm in den Raum hinein. Dazwischen die Spuren der alten Nutzung, hier waruen früher Schrauben und Wände, der Geruch ist fort, aber der Raum besitzt immer noch den Charme des alten Pissoirs.

Michael Korte: „Das ist jetzt auch für uns sag ich mal die Vorbedingung für die Künstler die hier ausstellen, sich mit dem Raum und dieser konkreten Situation auseinandersetzen, und Werke dann Quasi für den Raum konzipieren.“

Wer vergessen hat in welchem Raum er sich befindet muss sich nur die alten Höhlenmalereien angucken, diese sprachlich so bescheidenen Ergebnisse von langen einsamen Sitzungen im Zeitalter des Eddings.

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