Der Schraubenkönig

In loser Folge stellt die "Bochumschau" kleine Läden vor, die etwas aus der Zeit gefallen sind. Kaufleute und Handwerker, die aus einem anderen Jahrhundert stammen. Läden, die entstanden sind, als Großhandelsbetriebe noch keine Rolle spielten und die Zeit noch etwas langsamer verging. Diesmal ist es ein Laden für Eisenwaren und Werkzeuge. Ein wunderbarer Ort, wo es noch einzelne Schrauben zu kaufen gibt.


Der Schraubenkönig

Der Schraubenkönig Alles läuft, rollt, fährt, ist im Fluss: Die Hattinger Straße, Paradebeispiel für Schnelligkeit und Hektik. Mittendrin ein Ort, wo die Zeit stehen geblieben ist: Eisenwaren und Werkzeuge. Ein seltener Ort, im Zeitalter der großen Baumärkte, und davor und auch darin ein Handwerker der alten, und auch vergangenen Zeit: Gerd Seeger. Er übernahm 1980 den Fachhandel von der Familie Nickel, und die hatten wiederum den Laden 1948 gegründet. Eisenwaren Nickel ist ein Laden, wo die Leute hinkommen und einzelne Schrauben kaufen, denn: Gerd Seeger ist so etwas wie der König der Schrauben. 3, 6, 8, 15 Millimeter- Egal! Seegers Schatztruhe ist prall gefüllt, was manchmal auch anstrengend ist.

Der Schraubenkönig „Ja machen Sie mal Inventur hier, da brauch ich Wochen, die sitzt man hier dran. Die Schrauben, da muss ja alles aufgenommen werden!“ Gerd Seeger, Eisenwaren und Werkzeuge

Eine Tätigkeit, die nicht zu den leichtesten Aufgaben gehört. Zu Gerd Seeger kommen sie alle: Die Handwerker und die Ratsuchenden, die Jungen und die Alten. Manche kommen schon seit Jahrzehnten, wie der einundneunzigjährige Franz Böttcher. Der bastelt noch immer und geht nicht zur großen Konkurrenz.

Es ist ja so, dass es mittlerweile Baumärkte gibt, wo es alle möglichen Sachen gibt-
„Aber nur in zwanziger Packungen, oder fünfundzwanziger Packungen, oder fünfziger Packungen, und man braucht mitunter zwei oder drei Sachen...“ Franz Böttcher

Der Schraubenkönig Wenn Franz Böttcher ein Problem hat, dann ist er bei Gerd Seeger genau richtig, dann wird gezeichnet, überlegt und teilweise auch direkt geholfen. Gerd Seeger ist nicht nur Schraubenkönig, er ist auch Problemlöser. Das ist die Generation, die nicht direkt wegschmeißt und neu kauft; Hier wird das Problem gesucht und gelöst. Oftmals auch mit der Hilfe eines Kollegen, der Seegers Fähigkeiten voller Hochachtung beschreibt.

Der Schraubenkönig „Der ist schon hier bekannt als Magic, der kann zaubern, das geht nicht mehr! Also wenn der’s nicht kann, dann zaubere ich.“ Joachim Ostarek, Eisenwaren und Werkzeuge

Der „grobe Reparateur von Weitmar und Linden“, wird Seeger auch genannt. Schrauben, Werkzeug, Reparaturen und auch Schlüsseldienst; Eigentlich gibt es wenig, was fünfundsechzigjährige gelernte Schreiner nicht kann. Es gibt allerdings eine Sache, die er fürchtet.

„Wenn ich nämlich nicht mehr wüsste, wo was läge, dann wär sowieso schon alles zu spät. Sie müssen nämlich aufpassen, dass hier nicht einer was an die falsche Stelle legt; Brauchen hier nur einmal eine in den Schubladen vertauschen, dann ist es schon zu spät. Oder man hat auf die Schnelle was weggelegt und findet es nachher nicht mehr.“ Gerd Seeger, Eisenwaren und Werkzeuge

Ordnung ist das halbe Leben, doch auch ein ordentliches Leben geht irgendwann einmal zu Ende… und dann? Was passiert dann, nach über sechzig Jahren Eisenwaren an der Hattinger Straße.

„Wahrscheinlich werde ich der Letzte sein… Ja, ich werde der Letzte sein.“ Gerd Seeger, Eisenwaren und Werkzeuge

Dann bleibt die Hattinger Straße noch immer schnell, laut und hektisch, aber es wird etwas fehlen: Dieser seltene Ort, an dem man Schrauben und Nägel noch einzeln kaufen kann.


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