Maischützen / 623. Bochumer Maiabendfest 2011

Wenn es in Bochum eine Tradition gibt, die in die Zeit vor Kohle und Stahl zurückreicht, dann ist es das Bochumer Maischützenfest. Was anderer Leute ihr Karneval ist unser blau-weißer Maischützenumzug von Bochum nach Harpen und wieder zurück. Ein Film über den Fußmarsch für Fortgeschrittene, das 623. Bochumer Maiabendfest 2011.


Maischützen

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Das Bochumer Rathaus am letzten Samstag im April, es ist wieder soweit, die Maischützen sammeln sich zum großen Fest, ein Fest der Tradition, Maischützen, Junggesellen, mittelalterliche Soldaten. Uniformen und Kostüme, detailverliebt und doch zeitgenössisch:

Maischütze:„Wir müssen ja ein wenig das Heute leben, und auch das Damals, und bei dem schönen Wetter kann auch mal ne Sonnenbrille gut helfen.“

Der Aufbruch naht, der Marsch nach Harpen, eingeleiten von dem Bochumer Jungenlied mit Pfiff. Diese Schuhe sollen es richten, 7.5km hin, 7.5km zurück, nicht jeder wird es schaffen. Der Aufbruch, selbst schwangere Frauen blasen ins Blech wenn Blau-Weiß ruft, wenige hoch zu Ross, viele zu Fuß oder im Wagen.

„Es sind insgesamt circa 2.500 Personen, die wir später alle zusammen waren, und Fahrzeuge in etwas 25.“

Aufbruch und Abmarsch, jetzt ist es an der Zeit, den Orts-Unkundigen zu erklären, was das eigentlich für ein Fest ist, das Maischützenfest, es stammt der Legende nach aus dem Jahr 1388, da hatten Dortmunder Spießgesellen den Bauern in Bochum Harpen das Vieh gestohlen. Mutige Bochumer Junggesellen, hier übrigens der Bochumer Junggesellen-Hauptmann, zogen aus um das Vieh zurück zu holen, es gelang. Als Belohnung durften sie sich fortan eine Eiche aus dem Wald des damaligen Bochumer Adelsherren Graf Engelbert holen. Diese Eiche wurde verkauft, der Erlös in ein großes Fest investiert, so gehen sie jetzt alle Jahre wieder, auf die Reise hinaus nach Harpen, die Eiche holen. Wie bereits erwähnt, der Weg ist kein kurzer. Dazu noch das Gewicht von Trommel oder Posaune, auch eine Querflöte muss beim Marschieren erst einmal geblasen werden. Da muss die Frage erlaubt sein, wie geht’s?

„Alles in Ordnung, und bei dir? Dat is doch wunderbar, warum bin ich immer auf dat Foto hier drauf, dat versteh ich nich, kannse ja mal den langen da nehmen. Du wills nur die kaputten draufhaben!“

Kaputt waren sie am Ende alle, außer vielleicht der Junggesellen-Hauptmann, der strahlend und hoch zu Ross an der Spitze hineinritt, in den kühlenden Schatten das Harpener Bockholts. Da waren sie auch alle wieder mit dabei, die Fanfarenzüge aus Harpen, Hagen und anderswo, mittendrin, noch bester Laune, die Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, dahinter die lange Schlange der über Zweitausend, man hört das Bochumer Jungenlied, da sind sie auch wieder, unsere Freunde der Bochumer Stadtwache, allein der Helm wiegt über 1 Kilogramm.

Halbzeit, das Festzelt in Harpen, zeit für ein Päuschen, und die legendäre Erbsensuppe, drinnen und draußen, Gott sei dank, blau-weißer Himmel. Und das war hier schon ein toller Anblick, auf der Festwiese im Harpener Bockholt, Fanfarenzug nebst Tambourchor nebst Spielmannzug und ein Hauch von Mittelalter, mittendrin die vielen Maischützen. Der Hauptmann erklärt, was für ein Amt er überhaupt innehat:

Junggesellen-Hauptmann:„Der Junggesellen-Hauptmann ist die wichtigste Person des Maischützenfestes, denn er repräsentiert den Hauptmann der Junggesellen, die früher die Herde Vieh wiedergeholt hat, und somit auch der einzige ist der die Eiche einfordern kann, um das Fest zu feiern.“

Die Eiche, heutzutage eine Symbolische, die nicht geschlagen, sondern ausgegraben wird, da geht es dann noch einmal richtig zur Sache, Junggesellen-Hauptmann, sein Adjutant, und Graf Engelbert persönlich, mit Spaten und vereinten Kräften, wird der Frischling der Erde Entrissen. Damit geht es dann zurück nach Bochum, den Zinstaler abholen, und im Harpener Bockholt kehrt wieder Ruhe ein, bis zum nächsten letzten Samstag im April.

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