Knast-Theater Krümmede

Schloß auf, Schloß zu, Schloß auf, Schloß zu... Wer einmal ein Gefängnis betritt, weiß warum der Gefängniswärter in der Knastsprache "Schließer" genannt wird. Es ist ein langer Weg, den der Besucher zurücklegen muß, um am Ende vor einem kleinen Kuriosum zu stehen: eine Schauspielbühne mitten im alten Teil der JVA Bochum. Ein Film über die Kooperation zwischen dem Schauspielhaus Bochum und der Krümmede.


Knast-Theater Krümmede

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Diese Männer kennen sich hier aus, Ali, Adalan, Isa, Leonardo, Isam und Yilmaz sind Strafgefangene in der Krümmede und sie sind auch Schauspieler und damit Teil eines besonderen Projekts. Hier in der alten Kapelle der Krümmede ist ihre Bühne, und weil der Mensch ein Mensch ist, ein grafisches Theaterprojekt mit Strafgefangenen Männern der JVA Bochum.

Isa:„Also der Sinn dieser ganzen Geschichte, also was vermittelt werden will, ist die das die Öffentlichkeit eine Meinung hat, vielleicht auch eine falsche Meinung hat von den Leuten die im Gefängnis sitzen, wir sind nicht nur unsere Taten, sondern hinter den Taten stehen auch Menschen, und das wollen wir vermitteln.“

Das Gefängnis ist eine Bühne des Lebens, viele Geschichten, natürlich böse aber auch tragische und anrührende die Regisseurin Sandra Anklam fasst es so zusammen der Satz sage mir was du getan hast, und ich sage dir wer du bist, stimmt nicht immer:

Sandra Anklam:„Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, das Bild ein bisschen zu verändern, von Menschen die ein Verbrechen begangen haben, das die Menschen nicht als der Räuber, der Verbrecher, der Mörder gesehen werden, sondern als jemand, der Scheiße gebaut hat, der ein Verbrechen begangen hat, der darüber hinaus aber noch ganz viele Facetten hat und ganz viel anderes ist, und mehr als er getan hat.“

Nun auch wenn man den Mensch als Menschen sieht, bleibt noch der Ort der wirkt, im Gefängnis merkt man schnell, das hier alles anders ist.

Sandra Anklam:„Das ich zum Beispiel nicht alleine zur Toilette gehen kann, dass ich erst einen Beamten rufen muss, dann auf einen Beamten warten muss, der dann aufschließt, zur Damentoilette und mich dann wieder in den Raum lässt wo ich arbeiten möchte.“

Theater hinter Gittern, Leben hinter Gittern, im Stück heißt es, der Besucher fühlt sich wie beim Zoobesuch, fehlt nur noch der Hinweis‚ ‚Füttern verboten’

Isa:„Naja, manchmal werden Führungen durch die Anstalt gemacht, und die Leute gucken mit großen Augen, das sind die Strafgefangenen und so?! Und das ist auch eine Anspielung darauf gewesen.“

Natürlich ist es für die Insassen eine Art Beschäftigungstherapie, die Presse ist da, man gibt Interviews, drei Monate Proben, das ist Abwechslung gegenüber dem Haftalltag, es ist für die Betroffenen aber auch ein bisschen Selbstreflexion, schließlich beinhaltet das Stück viel autobiografisches. Was bleibt für den Zuschauer, ein spannender Theaterabend, und für die Darsteller?

Reporter:„Wie geht es da mit ihrer Darstellerkarriere weiter nach den beiden Aufführungen?“
Isa:„Ich glaube, kaum. Also ich bin weder talentiert oder habe Ausbildung genossen, das ist nur ein Stück gewesen dank Frau Anklam mit ihrer Unterstützung wollten wir etwas vermitteln, auch dieses Gefängnisalltag, kennt man ihn auch wenn das hinter uns ist, geht das Leben hier drin genauso weiter wie Draußen.“

Draußen ist es definitiv schöner, dafür reicht schon ein Theaterbesuch in der Krümmede, danach weiß man, lieber vom Stadion herüberschauen, als anders herum.

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