Grüße von Ronaldo

Es ist eine Geschichte von großen Träumen und von geplatzten Träumen. Von einem hohen Aufstieg und einem tiefen Fall. Es ist eine Geschichte, die schon längst zu Ende sein könnte. Ist sie aber nicht. Die Geschichte beginnt in Berlin, spielt dann in Madrid und wird derzeit in Bochum fortgesetzt. Es ist eine Geschichte die Traum und Albtraum eines jeden Fußballers ist. Es ist die Geschichte von Christopher Schorch und wie gesagt, sie ist noch nicht zu Ende!


Grüße von Ronaldo

Grüße von Ronaldo Der VfL Bochum ist ein Fußballverein mit einer noblen Vergangenheit, aber einer eher tristen Gegenwart. Und dieser VfL Bochum ist eher unverdächtig, wenn es um die Frage geht, wer ehemalige Spieler von Real Madrid in seinem Kader besitzt. Falls das aber doch so sein sollte, müsste man denjenigen fragen, wie so etwas passieren konnte. Und da sitzt er, derjenige, der gefragt werden muss: Christopher Schorch. Früher Raul und Ronaldo, heute VfL Bochum 2. Richtig! Die Amateur-Mannschaft. Eine lange Geschichte und wir beginnen am Anfang: In der Jugend bei Hertha BSC Berlin, ungefähr vor knapp zehn Jahren.

Christopher Schorch, VfL Bochum:
Grüße von Ronaldo „Ja, das war ne Riesentruppe, wenn ich sehe: Kevin Boateng, Jerome Boateng, Ashkan Dejagah, Sejad Salihović, Patrick Ebert, Christopher Samba, also das sind alles Spieler - Änis Ben-Hatira, das sind Riesenkanonen und wir hätten glaub ich ne Riesenmannschaft gehabt, aber zu dem Zeitpunkt damals war es halt so, dass es wie ne Flucht war, von den jungen Spielern, die sind ja alle gewechselt.“

Auch Schorch wollte weg, bekam mit 16 ein Angebot von Chelsea und mit 17 eines von Real. Leckomio! Da kann man schon mal skeptisch werden.

Christopher Schorch, VfL Bochum:
Grüße von Ronaldo „Ja, bei mir hat’s Telefon geklingelt, unter Unbekannt, und dann war’s halt auf Englisch, kam in irgendeiner Sprache, hat jemand gesprochen mit ‚Hello, here is Predrag Mijatović from Real Madrid!’ und ich hab dann nur so ‚Ja, ist klar.’ Und hab dann aufgelegt. Früher wurde man halt oft verarscht und hat die Kollegen, man weiß das ja, und keine zwei Minuten später hat dann mein Berater angerufen: ‚Christopher, was ist- Warum legst du auf?! Komm bitte hierher, wir müssen mit dir sprechen.’ Ich bin völlig perplex gewesen, bin dann hingefahren und dann saß da wirklich Mijatović mit meinem Berater und erzählt dir dann, wie toll du bist und dass der dich unbedingt haben will, und dann haben die erstmal erklärt wie das zustande kam, dass die mich seit einem Jahr schon beobachtet haben. Das war halt nicht so von Heute auf Morgen, sondern die haben mich die komplette EM beobachtet, die haben mich bei Hertha beobachtet, und dann haben die im Gremium mit Sportdirektor und Präsident dann beschlossen: Den Jungen wollen wir.“

Der neue Carnavaro sollte er werden, doch eine Verletzung stoppte ihn. Wieder mal und nicht die Letzte. Kreuzbandriss, Knorpelschaden, Riss der Patellasehne; Schorch hat alle Kniedefekte schon am eigenen Leibe erlebt. Und von den Mitspielern gab es Trost.

Christopher Schorch, VfL Bochum:
Grüße von Ronaldo „Von der ganzen Mannschaft unterschrieben, von Real für mich, mit Genesungswünschen von allen. Worüber ich mich sehr gefreut hatte, obwohl ich nicht allzu lange hatte, sondern nur drei Monate kennen gelernt hab, ist natürlich von Ronaldo; Jetzt auch Weltfußballer geworden, worüber ich mich sehr gefreut habe für ihn, weil er ein unglaubliches Tier ist. Also man sieht, er ist nicht nur ein genialer Fußballer, sondern auch ein toller Mensch, dass er an jemanden denkt, obwohl man nur drei Monate Zeit miteinander hatte.“

Unterschriften, Widmungen; Wer einmal zur Real-Familie gehört, wird so schnell nicht vergessen. Mit der Verletzung in Madrid begann aber der sportliche Abstieg des einstigen Toptalentes, der noch in der U17-Nationalmannschaft mit Kroos, Bender, Zieler und Marin brillierte. Er fiel weich. Erstligist Köln nahm ihn unter Vertrag, mit Highlights wie Spiele gegen Ribery, dann die Ausleihe nach Cotbus, wieder eine Verletzung und dann im Sommer 2013 der harte Knall: Vertrag ausgelaufen, vereinslos. Ein halbes Jahr arbeitslos, dann fragte VfL 2 an, und das hier ist jetzt die Gegenwart: Die Reserve des VfL Bochum. Die spielt in der Regionalliga, also in der vierten Liga und freut sich über einen erfahrenen Mann, der die junge Nachwuchstruppe führen soll.

Thomas Reis, Trainer U23 VfL Bochum:
Grüße von Ronaldo „Beim Christopher ist das jetzt so, er sieht das, wie gesagt, als einmalige Chance an und wir haben gesagt, wir wollen ihn dabei unterstützen und er kann uns unterstützen. Wir haben mit unserer Truppe ein Riesenziel vor Augen: Wir wollen den Klassenerhalt in der Regionalliga schaffen. Und wie’s halt im Fußball ist: Manchmal muss man vielleicht zwei Schritte zurück machen um dann den ein oder anderen Schritt wieder nach vorne zu gehen. Ich glaube, dass beim VfL Bochum mit Sicherheit einiges möglich ist.“

Spricht man mit Peter Neururer, dem Cheftrainer des VfL Bochum, so schwingt auch immer ein Bisschen Mitleid mit, dass die Karriere von Christopher Schorch durch die vielen Verletzungen so brutal gestoppt wurde. Doch jetzt muss man nach vorne schauen:

Peter Neururer, Trainer VfL Bochum
Grüße von Ronaldo „Es ist eine Chance. Es ist eine Chance, zurück zu kommen. Und ein Junge mit dieser Entwicklung, sportlicher Art, hat schon so viele Dinge erleben müssen, nur verletzungsbedingt, nicht weil irgendwo seine Karriereplanung nicht die Richtige war, nur Verletzungsbedingt. Er hat vieles weggesteckt und wenn er jetzt über einen längeren Zeitraum mal wirklich sein absolut vorhandenes Potential abrufen kann, ohne durch Verletzungen gebremst zu werden, dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass er bei uns derjenige sein wird, der uns dann auch oben helfen wird.“

Und die erhält sich Christopher Schorch also fit für den großen Tag; Wenn seine Knochen, Sehnen und Bänder durchhalten und er vielleicht wieder eine Chance bekommt, in der ersten Mannschaft. Und das könnte dann ein großer Sprung werden, zurück auf die Bühne Profifußball.

Christopher Schorch, VfL Bochum
„Ich bin fünfundzwanzig Jahre, ich bin keine dreißig, ich bin fünfundzwanzig; Habe jetzt eigentlich die besten Jahre vor mir und wird’s auch jedem zeigen.“

Raul hat Christopher Schorch über WhatsApp gratuliert, zu seinem neuen Verein, seinem neuen Vertrag, denn auch Raul weiß: Hauptsache spielen, dann kommt der Rest von selbst.


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