Bochumer Kraftwerk

Schon seit vielen Jahren, also schon weit vor der Energiewende der Bundesregierung, gibt es in Bochum ein Projekt, wo 1A-Ökostrom hergestellt wird. Nicht durch die Sonne, den Wind oder das Wasser, sondern durch Müll. Präziser gesagt, durch das Verfaulen des Mülls, so wie es auf der alten Zentraldeponie in Kornharpen geschieht. Dort entsteht seit 1994 in einem sogenannten Blockheizkraftwerk Bochumer Ökostrom.

Bochumer Kraftwerk

Bochumer Kraftwerk

Bochumer KraftwerkEs gibt ja so Gegenstände, die stehen einfach so rum. Die nimmt man als vorbeigehender Betrachter nicht so richtig war, um sich dann am Ende doch zu fragen, was es eigentlich ist, was da so aus der Erde ragt. Hinterm Busch oder hinterm Hügel oder einfach auf der grünen Wiese. Es ist so eine Art Zapfhahn, der auf der ehemaligen Zentraldeponie Kornharpen über 50 mal zu finden ist, eine Erhebung, die schon als Energieberg bekannt geworden ist. Früher Müll, heute Energie. Was für eine Karriere. Diese Zapfhähne sind die Köpfe von Brunnenschächten, die dem Berg Deponiegase entziehen und daraus wird Energie hergestellt. Das machen dann die Stadtwerke Bochum.

Thomas Schönberg, Stadtwerke Bochum: "Für uns ist Zentraldeponie ein ganz wichtiger Baustein in unserer Strategie der regenerativen Energieerzeugung. Wir können hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wir entziehen der Deponie hier Gas, um tatsächlich CO2 einzusparen, dass auch für die Bochumer Bürger und gleichzeitig wird auch Strom, den wir guten Gewissens als Ökostrom bezeichnen können, erzeugt, den wir dann ins Bochumer Netz einspeisen."

Seit dem November 1994 werden hier Deponiegase abgesaugt. Bisher über 180 Mio Kubikmeter Deponiegas, mit den Hauptbestandteilen Methangas zu 50% und CO2 zu 38%. Spazieren gehen darf man hier nicht, denn Deponiegase sind zum Teil Atemgift. Also weg muss das Gas so oder so, dafür gibt es die Gasbrunnen.

Bochumer KraftwerkUwe Wahl, Blockheizkraftwerk Bochum: "Ein Brunnen hat ein Einzugsbereich von 25-30 Metern im Radius, wenn man sich die Deponie so vorstellt und die Verteilung der Brunnen sieht, muss man den ganzen Berg abdecken, das dort kein Gas mehr austritt."

Über ein unterirdisches Leitunsgsystem wird das Gas den Berg hinunter in ein benachbartes Blockheizkraftwerk geführt. Es ist soetwas wie eine gut versteckte Energieperle. Im Schaltraum des Kraftwerkess wird die gesamte Gaszufuhr und die Energieabfuhr überwacht. 880 qm2 Gas werden hier pro Stunde verbrannt.

Uwe Wahl, Blockheizkraftwerk Bochum: "Dieses Gas wird über eine Verdichterstation hierrüber transportiert und gelangt nicht mehr in die Umwelt hinein, sondern wird hier im Gebäude umgewandelt in Strom und Wärme. Das geschieht in Verbrennungsmaschinen."

Und hier passiert es: im Maschinenraum des Blockheizkraftwerkes stehen acht sogenannte Blöcke. Jeder dieser Blöcke kann völig autark Energie herstellen. Dafür braucht er nur das Gas. Das wird im ersten Schritt in einem Gas-Luft-Mischer mit Sauerstoff gemischt, damit das Gas brennbar ist. Danach wir es mit einem Turbolader verdichtet, dann gelangt es in den Verbrennungsmotor. Das war es dann für das Gas. Durch Verbrennung wird mechanische Energie hergestellt. Mit dieser neuen Kraft wird über eine Kurbelwelle ein Generator angetrieben und der erzeugt Strom für das Bochumer Stromnetz. Das war die lange Erklärung. Hier noch einmal die kurze:

Uwe Wahl, Blockheizkraftwerk Bochum: "Für das Gas ist hier unten in diesem Kraftwerk Ende. Das Gas wird verbrannt, als Treibstoff und produziert dann umweltfreundlich Strom und Wärme."

Noch einmal die Zahlen: Strom: hier werden 1.440 kWh produziert und 2.250 kw Fernwärme, damit werden fast 2.000 Haushalte versorgt. Bochumer Ökostrom mit mehreren Vorteilen:

Bochumer KraftwerkThomas Schönberg, Stadtwerke Bochum: "Neben dem energetischen Nutzen haben wir natürlich einen interessanten Nebeneffekt, der insbesondere die Nachbarschaft hier in Bochum-Kornharpen sehr erfreut. Die Geruchsbbelästigung ist seit dem Start des Absaugvorgangs erheblich zurückgegangen."

Der Bochumer Energieberg wird von den Brunnen sogar geringfügig übersaugt, damit kein Gas austritt. 1994 wurde hier mit der Gasabsaugung begonnen. 2006 gab es die höchste Produktion, seitdem ist Gesamtmenge rückläufig. Aber, so die Prognose, es reicht noch bis in das Jahr 2040.

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