50 Jahre Opel Bochum

Die Bochumschau hätte gerne über die Feierlichkeiten zu einem halben Jahrhundert Opel in Bochum berichtet. Stattdessen zeigen wir das Pressegespräch vom 13. Dezember 2012 im Bochumer Rathaus, in dem sich Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz enttäuscht über die kurzfristige Absage der lange geplanten Jubiläumsfeier "50 Jahre Opel Bochum" durch die Opel-Werksleitung äußert.


50 Jahre Opel Bochum

Frau Dr. Scholz, Opel stellt es ja so dar, als wenn diese Absage von der Stadt initiiert worden wäre, dass die Stadt eingeladen hat zu einer Sitzung, um über die Absage zu sprechen; Wer ist initiativ geworden? Sie oder Opel?

Frau Dr. Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin:
„Also es gibt diese turnusmäßigen Gespräche, dass, wenn so eine Veranstaltung stattfindet, man mit dem Veranstalter und den zuständigen Behörden zu einem Gespräch zusammenkommt, da geht es Fragen wie Brandschutz, Sicherheit und so weiter, ich bin da nicht so im Detail drin, und das war ein turnusmäßiges Gespräch, was stattgefunden hat, wo man auch über das Sicherheitskonzept gesprochen hat, das hat aber eine andere Grandität bekommen; Als jetzt in den letzten Tagen deutlich geworden ist, dass es eben doch nicht mehr das Familienfest sein wird, wie es zunächst mal geplant war, das heißt also auch Feier des Jubiläums, sondern dass sich auch unterschiedliche Gruppierungen angesagt hatten und auch dazu aufgerufen hatten, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Und dadurch bekam das bisherige Sicherheitskonzept auch eine andere Qualität und es ist von Seiten der Ordnungsbehörde eingefordert worden, das noch einmal zu überarbeiten. Ich hatte gestern ein Gespräch mit Herrn Gelblich, mit Herrn Fechtner, und Herr Einenkel war auch mit dabei, wo wir das ganze auch noch mal besprochen haben und es war eben die Einschätzung, dass, gerade weil es ein Tag der offenen Tür ist, und das heißt eben die Leute können ins Werk rein, man nicht dafür garantieren kann, dass man das alles unter Kontrolle hat. Und da war es eine Entscheidung, jetzt auch der Werkleitung, zu sagen, das hat ein zu großes Sicherheitsrisiko und deshalb auch, in Übereinstimmung, wenn Sie so wollen, mit der Einschätzung der Bauordnungsbehörden, die gesagt haben ‚Wir brauchen da auch schon ein etwas anderes Sicherheitskonzept als das für das Familienfest geplant und vorgesehen war’, war es die Entscheidung zu sagen, dass das Ganze nicht stattfindet.“

War das die Entscheidung der Werksleitung oder der Bauordnungsbehörden?

Frau Dr. Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin:
„Nein, es war die Entscheidung der Werkleitung, dann daraus diese Konsequenzen zu ziehen. Die Bauordnungsbehörde hat nur gesagt, es müsste, bezogen auf das alte Sicherheitskonzept, ich glaube es soll heute Nachmittag noch einmal nachbearbeitet werden, aber war es eine Entscheidung, zu sagen: ‚Nein, das ist uns alles zu unsicher.’“

Haben Sie den Eindruck, dass es wirklich nur Sicherheitsbedenken sind, oder dass da noch die Sorge drin mitschwingt, da könnte es zu Protestaktionen kommen, oder das könnte jetzt dem Unternehmen nicht recht sein?

Frau Dr. Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin:
„Also, den Eindruck hatte ich nicht. Ich kann das auch verstehen; Ich kenne die Werkhalle, die ja gerne auch für diese Zwecke zur Verfügung steht, aber an einem Tag der offenen Tür ist die Frage dann auch, ob man die Leute kontrolliert, die da rein gehen, und so weiter und dann verliert das ganze seinen Charakter. Und insofern war das ganze dann, nach abwägen aller Gesichtspunkte, zu sagen, dass das Ganze zu schwierig würde. Ich bedaure das außerordentlich, ich sage das noch einmal ganz ausdrücklich, weil es schon eine Gelegenheit gewesen wäre, nicht um an das Jubiläum zu denken, 50 Jahre Opel hier in Bochum, sondern das Ganze hat (das ist nicht untypisch, auch nicht für die Veranstaltungen, die wir hier schon zu Opel gemacht haben) eben auch den Charakter einer Veranstaltung in der Größe, dass so dann auch wieder Solidarität gezeigt werden kann. Und deshalb bedaure ich das sehr, dass das nicht stattfinden kann. Ich akzeptiere, respektiere das auch, und das ist auch für all diejenigen, die sich an der Veranstaltung beteiligen wollten, schade, dass es nicht stattfindet. Ich habe aber gehört, dass der Betriebsrat überlegt, wie das Ganze anders organisiert werden kann.“

Sie haben gerade gesagt, dass der Herr Einenkel auch gestern bei dieser Besprechung dabei war; Hat er denn diese Bedenken, denn er hat ja dieses Papier, das heute rum ging, dieses Flugblatt dann hier verfasst, dass der Betriebsrat selber diese neue Veranstaltung machen möchte, hat er selber diese Bedenken mitgetragen?

Frau Dr. Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin:
„Nein, er fand das auch nicht gut, dass es nicht stattfindet, aber ich denke, das sind auch so unterschiedliche Rollen, in denen man dann ist; Der Betriebsrat ist das Eine, die Geschäftsführung das Andere, das müssen wir dann einfach so akzeptieren.“

Bei der Gesamtsituation Opel Bochum hat man den Eindruck, dass Stadt und Land gar nicht so viel machen können, man schaut also auch teilweise fassungslos auf die Szenerie, ist das ein richtiger Eindruck oder gibt es zum Beispiel noch Möglichkeiten dem Betriebsrat Zukunftspläne oder Perspektiven zu erarbeiten?

Frau Dr. Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin:
„Also es ist immer eine schwierige Rolle, gerade wenn es um private Entscheidungen geht und dann werden diese auch noch von weit weg, nämlich aus Detroit, getroffen, Einfluss zu nehmen, das haben wir ja an verschiedenen Stellen auch erlebt und erfahren. Gleichwohl liegt es sowohl bei Opel, als auch in anderen Situationen, immer die gesprächigen Kontakte, und wir werden heute Nachmittag im Rat eine Vorlage haben, einen Grundsatzbeschluss, zum Thema, wie man Perspektiven für die Zukunft entwickeln kann. Es ist ja auch nicht klar, was in Bochum verbleiben wird. Wir reden ja darüber, dass komplette Fahrzeuge nicht mehr gebaut werden, aber gewisse Komponenten weiterhin hier in Bochum gebaut werden sollen, das muss man jetzt auslöten, aber die Absicht besteht ja, mit dem Land und mit Opel über die weiteren Perspektiven dieser Fläche nachzudenken und nicht nur nachzudenken, sondern auch zu gucken, was man da ganz konkret machen kann. Das ist aber, sozusagen, erst am Anfang, wir werden heute im Rat darüber diskutieren und beraten und diese Entscheidung auch treffen; Das Land ist da auch in sehr intensiven Gesprächen mit uns, auch über die Person des Ministers und ich hoffe einfach, weil es auch nicht nur wichtig für Bochum und Region, sondern auch für Nordrhein-Westfalen, ist, dass man Lösungen findet, die was zu tun haben mit der bisherigen Produktionsweise, aber auch in eine etwas andere Richtung gehen. Wir haben das ja häufiger schon mal diskutiert, Stichwort E-Mobilität, so was, da gibt es ja schon einige Aktivitäten auf dem Gelände, wo diese Hochschule, die ja dort auch ihr Wohnmobil, heißt es, entwickelt haben und auch produziert wollen, in diese Richtung müssen wir weiter denken. Wir haben bis 2016, wenn man so will, zeit, aber da muss einfach auch für die Menschen, die hier wohnen, muss klar sein, dass da weiterhin was passiert. Und es sind ja riesige Flächen, die hier auch da sind, und da hoffe ich einfach, dass wir in diesem Zusammenschluss und dass Opel sich da auch sehr aktiv mit einbringt, so lautet auch die Vorlage heute im Rat, dass wir das wirklich auch gemeinsam auf den Weg bringen. Dazu sind Gespräche nötig, die, denke ich mal, auch intensiver zu gestalten sind als bisher.“


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