Zeche Holland

"Zeche Holland muß bleiben!" - Diesmal geht es nicht um die Zeche, sondern um den Förderturm. Dem Wattenscheider Wahrzeichen droht der Abriß, denn aus dem Industrie-Denkmal ist eine Industrie-Ruine geworden. Eigentlich gab es einen Investor und Fördergelder, die eine Sicherung und eine Sanierung des Turmes gewährleisten sollten. Doch passiert ist bisher noch nichts. Dagegen demonstrieren jetzt viele Menschen in Wattenscheid. Die Bochumschau zeigt die Ereignisse der letzten Tage.


Zeche Holland

Zeche Holland Es war das Jahr 1855 als holländische Kapitalgeber die Bergbau-Aktiengesellschaft Holland gründeten um die Grubenfelder in den Gemeinden Ückendorf und Wattenscheid zu erschließen. Daher kommt der Name: Holland. Zeche Holland. Knapp über einhundert Jahre später wurde dann das Namensschild angebracht und in Herten Findet man heute noch denjenigen, der es damals als junger Elektrosteiger hoch oben am Fördergerüst festgeschraubt hat.

Zeche HollandGerd Luthe, begann 1954 seine Elektrikerlehre auf Zeche Holland
„Eines Tages hatten wir den Auftrag, mit Schlossern ein Transparent hochzuziehen, und auf diesem Transparent war in riesengroßen Buchstaben der Schriftzug Holland dargestellt. Und wir haben das also mühselig mit Hubzügen und Kettenzügen hoch transportiert und als die Schlosser dann das Schild montiert hatten, war meine Aufgabe mit einem Kollegen dann Leuchtstoff-Lampen zu installieren.“

Gute Arbeit, Herr Luthe, es hält noch immer. Und hilft nun seit vielen Jahrzehnten Autofahrern und Piloten gleichermaßen zur Orientierung.

Zeche HollandVolker Steude, „BÄH-Bürger“- Bochum ändern mit Herz
„Es ist ein Symbol für Wattenscheid, es ist ein Überbleibsel der Geschichte von Wattenscheid, mit dem sich alle Menschen hier identifizieren. Dieser Turm steht für die Geschichte von Wattenscheid.“

Und jetzt kommen wir zur Zentralen Frage: Wie lange noch? Wie lange noch gibt es das Wattenscheider Wahrzeichen, den Förderturm über Schacht 6 der Zeche Holland? Wir zeigen einfach mal Bilder, die die Annahme bestätigen, dass wir es hier mit einer Industrieruine zu tun haben. Problem Nr. 1: Der Verfall des Turmes. Problem Nr. 2: Die Beschaffenheit untertage. Auch hierfür gibt es noch Zeitzeugen in Gelsenkirchen Ückendorf: Ein Besuch bei Gerhard Hendelkes, der fünfunddreißig Jahre lang unter Tage war, und das ist wirklich lang.

Zeche HollandGerhard Hendelkes, arbeitete im Streckenvortrieb auf Zeche Holland
„Das kann man wohl laut sagen, ja, da war das halbe Leben auf Zeche Holland.“

Gerhard Hendelkes kennt Wattenscheid und Ückendorf auch von unten. Sein Urteil: So ein Schacht ist kein leichter Ort für eine Bebauung.

Gerhard Hendelkes, arbeitete im Streckenvortrieb auf Zeche Holland
„Das kann man wohl laut sagen; So etliche Kilometer ist unter Tage alles Hohl, etliche Kilometer.“

Untertage löchrig, übertage rostig; Stahl ist ja ein Bauträger für die Ewigkeit, aber ein Bisschen gepflegt werden muss er dann doch. Auch hier hören wir auf die Meinung des alten Bergmanns:

Zeche HollandGerd Luthe, begann 1954 seine Elektrikerlehre auf Zeche Holland
„Diese alten Gebäude und Metalgerüste zu erhalten bedeutet sehr viel Aufwand. Die Anstricharbeiten kosten immenses Geld, ich bin natürlich nicht informiert, was es kostet, aber ich weiß, dass viele davor zurück geschreckt sind, dass das eben in vielen Fällen unterblieben ist, weil eben die Kosten dafür- Es war nicht finanzierbar! Also so etwas in Stand zu setzten und auch für die Zukunft zu erhalten, denn die Folgekosten sind ja auch immer da.“

Der Förderturm der Zeche Holland wurde weder gehegt noch gepflegt und damit sind wir in der Gegenwart: Mehrere hundert Wattenscheider demonstrieren hier gegen den drohenden Zerfall und Abriss ihres Wahrzeichens. Ihr Protest richtet sich gegen die Stadt Bochum, die in den letzten Jahren zu wenig getan hat, um den Verfall aufzuhalten

Zeche HollandCarsten Hauseur, Iniative „Rettet den Förderturm“
„Problem ist halt, das Ding wird nicht schöner vom nichts tun, und ich denke man muss dann auch mal Geld in die Hand nehmen, das ganze attraktiver gestalten und dafür sorgen, dass es stehen bleibt und nicht noch weiter verfällt.“

Bei den eigenen Geldern ist die Stadt ja knapp bei Kasse, aber es gab die Bereitstellung von Landesmitteln: 1,3-Millionen Euro, die wurden aber von der Stadt nicht abgerufen. Warum nicht? Von der Stadtverwaltung selber wollte sich dazu niemand vor der Kamera stellen. In einer schriftlichen Stellungnahme aber heißt es, dass durch den Wegfall eines Investors und technische und statische Problemstellungen eine Situation entstanden war, die ein neues Nutzungskonzept erforderlich machten. Man hat ein Bisschen das Gefühl, dass hier alle Seiten einen besseren Sanierungsverlauf verschlafen haben; Die Verwaltung und die Freunde des Förderturmes gleichermaßen.

Zeche HollandGregor Sommer, „BÄH-Bürger“ – Bochum ändern mit Herz
„Alles was die Stadtverwaltung macht, im Hintergrund, das kriegen wir als Bürger gar nicht so mit; Wir sind davon ausgegangen, dass es selbstverständlich so ist, wie vor ca. sechs Jahren entschieden, dass die Fördergelder entsprechend auch eingesetzt werden. Die 8-Millionen, so wie es kalkuliert ist (in etwa), soll angeblich dieser Erhalt kosten, dass die auch tatsächlich vorhanden sind. Das kriegen wir ja gar nicht mit; Wie soll man da denn aktiv werden? Sobald wir’s mitgekriegt haben, sind wir auf dem Plan gewesen.“

Früher haben die Bergleute für den Erhalt ihrer Zeche demonstriert, heute demonstrieren sie für den Erhalt des Förderturmes.

Gerhard Hendelkes, arbeitete im Streckenvortrieb auf Zeche Holland
„Das wär natürlich ne Schande, wenn se den abreißen, wirklich.“

Die Stadt Bochum ist jetzt in der Pflicht: Dieser Turm muss nicht vergoldet werden, er braucht auch keine Aussichtsplattform, er soll einfach stehen bleiben.


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