Der Literat

Wer ein Buch im Wappen führt, der darf sich eigentlich etwas einbilden. Vielleicht ist es eine besonders schlaue Stadt oder eine sehr belesene. Vielleicht ist es auch schlicht nur Zufall. So ganz geklärt ist die Herkunft des Buches im Bochumer Wappen ja auch heute noch nicht. Es gibt hier sicherlich viele Bücher aber nur vergleichsweise wenig Autoren. Einer von ihnen hat jetzt sein vielleicht wichtigstes Buch herausgebracht. Ein Autor, der in Bochum und im Ruhrgebiet einen ganz bekannten Namen besitzt.


Der Literat

Der Literat Es wird Herbst im Ehrenfeld; Die Blätter, die es noch auf den Bäumen hält, sind gelb geworden. In einem roten Haus klebt ein Gesicht an der Scheibe und sieht diese Jahreszeit wahrscheinlich poetisch. Der Abschied vom Sommer, der Wechsel von Jahreszeiten, ein Literat sieht immer auch die zweite Ebene. Das Gesicht, die Konturen, gehören zum Werner Streletz, einem der bekanntesten und umtriebigsten Literaten in Bochum; Ein Mann für poetische Texte und Romane. Seit gut 35 Jahren schreibt Streletz facettenreich über das Leben, über die Menschen. Laut Verlagstext über verspielte Nichtsnutze, streitsüchtige Schwächlinge und verträumte Thekenturner. Und natürlich hat er sich auch mit dem Ruhrgebiet und seiner Sprache auseinander gesetzt.

Der LiteratWerner Streletz, Schriftsteller
„Damit hab ich mich ziemlich lange befasst um aus der Ruhrgebietssprache, mal so ein Bisschen was poetisches raus zu kitzeln. Das waren so die ersten Texte in diesem Ruhrgebietsdeutsch, die eben versuchten, das Ruhrgebietsdeutsche von Jürgen von Marl und ähnlichen Leuten wegzuholen und da ganz andere Funken draus zu schlagen; Ich habe da jetzt nach so vielen Jahren bemerkt, dass all dieses Bemühen sinnlos war, weil nach wie vor solche Unsäglichkeiten wie Herr Knebel, das ist ja noch genauso, noch viel schlimmer machen, als Jürgen von Marl der ist ja dagegen ein wirklicher Literat.“

Literaten dekorieren auch die Wände von Streletz Arbeitszimmer. Eigentlich gibt es zwei Werner Streletz: Der Eine, der selbst Teil der Bochumer Kultur ist und der Zweite, der Jahre lang über sie berichtet hat; In Zeitungsartikeln der WAZ in Bochum. Dort war er lange Jahre Leiter der Kulturredaktion. Sein Lieblingsort: Das Bochumer Schauspielhaus. Sprechtheater war schon immer seine Passion. Deshalb wollte Mann aus Bottrop zu dem, seiner Meinung nach, besten Theater im Ruhrgebiet. Und dort blieb er über Jahrzehnte und prägte Eindrücke und Meinungen.

„Man weiß es im Hinterkopf immer, zumal halt die Auflage nach wie vor an der WAZ hier in der Stadt nach wie vor sehr hoch ist, dass das was du schreibst am nächsten Tag schon die ganze Stadt, zumindest Kultur, weiß, aber in der täglichen Produktion wird dir das gar nicht so bewusst, dass sich das a am nächsten Tag hier in der Stadt wie so ein Lauffeuer verbreiten wird.“ Werner Streletz, Schriftsteller

Der Literat Weg vom Tagesgeschäft, hin zu den Langzeitprojekten. Werner Streletz, der Träger des Literaturpreises Ruhr, war wieder längere Zeit untergetaucht; Allein mit der berühmten leeren Seite, die gefüllt werden musste. Und es gelang, das neue Buch ist fertig: Rohbau. Wie immer sind es Geschichten über Menschen aus dem Ruhrgebiet, aber sie könnten auch woanders spielen, denn es geht um Liebe, um Leiden, und die Unabwegbarkeiten des Alltags. Rohbau beschreibt das Leben eines jungen Mannes zwischen hartem Alltagsleben und romantischer Liebe… und dem Enden im Unglück. Rohbau ist vielleicht Streletz wichtigstes Buch.

Werner Streletz, Schriftsteller
„Ja, also ich bezeichne das Buch so quasi als, Opus Magnum nennt man das, also Hauptwerk. Und zwar deshalb, weil die Geschichte Milieus und Themen umreißt, mit denen ich mich halt von jeher beschäftigt habe.“

Wir kehren zurück zu den fallenden Blättern, zum Herbst. Zum Abschied, zum Beginn der rauen Jahreszeit, ein Versuch zum Einstieg in die poetische Stimmung. Den Rest erledigt der Autor selbst.

Werner Streletz mit einem Auszug aus seinem neuen Buch „Rohbau“
„Johnny beschlich sanfte Aufregung, galt die Gegend, die sie durchquerten, doch als gefährlich, als hartes Pflaster. Dort würde die Miete mit dem Panzer eingetrieben, hatte er mal gehört. Mau-Mau-Siedlung, wurde die Gegend genannt, oder Pampas. Die Kioske waren dort stets grob gezimmerte Holzkisten und nie fest gemauert. Verrostete Fahrräder standen öfters als anderswo an den Baumstämmen.“

Links zum Artikel:

BOCHUMSCHAU ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Weitere Bochum-Filme …