Ubu

Das Ubu-Antiquariat an der Universitätsstraße 26 in Bochum feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen. Und wenn eine Buchhandlung 25 Jahre lang jedes Jahr 4.000 Bücher mehr ein- als verkauft, dann sieht sie eines Tages so aus wie "Ubu". Ein Film über eine Bochumer Marke, seine einhunderttausend Bücher, den Ubu-Mann Wolfgang Jöst und seinen Buchstapelladen.


Ubu

UbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuUbuNicht wundern, wenn hier Pfennig und nicht Cent stehen würde, den Laden kennt jeder, den Namen auch. Ubu, ein Laden, wo man schnell zwischen den Büchern verschwinden kann, und nie wieder auftaucht, dass hier ist keine Buchhandlung, sondern etwas für das es noch keinen Namen gibt, höchstens „Ubu“.

Ein Labyrinth von Bücherregalen und Stapeln, angehäuft in 25 Jahren von Wolfgang Jöst, der Mann ist wirklich eine Marke, sein Lebenswerk, ein einzigartiger Buchladen, oder Buchstapelladen, mit, ja mit wie vielen Büchern eigentlich?

Wolfgang Jöst:„Das bin ich schon oft gefragt worden, manchmal fordere ich die Leute dann auf, zählt doch mal. Aber ich habe auch mal geschätzt, wie viel passt auf einen Meter Regal drauf, im Schnitt, je nach dicke natürlich, in etwa 50 Bücher. Dann habe ich überlegt wie viele Meter Regal ich habe im Laden, und die Stapel dazu, die ja oft auch über einen Meter hoch sind, so kam ich auf 100.000 Bücher.“

Der Name Ubu, steht nicht etwa für Universitätsbuchhandlung, Ubu stammt vom König Ubu, einer literarischen Figur aus einer derben Komödie. Ein Buch, was der Ubu-Mann immer schnell zur Hand hat. Bei anderen ist es vielleicht schon schwieriger, denn hier gibt es kein Computergesteuertes Suchprogramm, hier sucht der Buchhändler noch selbst, wenn er denn weiß, wo er suchen muss.

Wolfgang Jöst:„Manchmal kann ich gleich danach greifen, manchmal weiß ich, da muss ich erstmal ein paar Kisten wegräumen, um an das Regal ranzukommen, wo das Buch drin ist. Dort zum Beispiel, ist alles von M bis Z von Kisten versteckt. Also muss ich das wegräumen wenn einer ein Buch haben will, das ist meist ganz unten, und dann umschichten. Wenn die Leute nicht genug Zeit haben, die Leute haben ja heute nicht mehr so viel Zeit, dann ist das natürlich schlecht.“

Schon oft wurde Wolfgang Jöst gefragt, ob er denn alle Bücher hier gelesen hätte, die Antwort ist „Nein“, die Rechnung einfach. Wenn man 70 Lebensjahre lang, jeden Tag ein Buch lesen würde, käme man auf knapp über 25.000 Bücher, und das reicht nicht.

Wichtig ist aber auch nicht, das man alle Bücher kennt, sondern das man den Überblick behält:

Wolfgang Jöst:„Es sieht zwar wild aus, aber es ist ein System drin, also zum Beispiel ist hier die Kunstabteilung, im Regal, und alles was später kam, als das Regal voll war, stapelt sich hier hoch. Und so ähnlich ist das hier überall, also hier ist eine Ecke mit Kulturgeschichte, aber hier stapeln sich auch Bücher die nur in das Regal reingehören, genauso hier, ein Regal über die Geschichte des Faschismus, hier die Treppe hinauf, in der ehemaligen Wurstküche der Fleischerei, sind fremdsprachige Bücher, hier englische, die kommen am meisten rein. Hier in dieser Ecke war die Medizin, auch viel zu viel, wir nähern uns jetzt dem Teil der Metzgerei in dem früher die Rinderhälften hingen, also das war ein Kühlraum, man sieht, das ist hier gekachelt, als ich einzog, war noch ein Kühlaggregat unter der Decke.“

Nun gibt es aber auch zu jedem Buchhändler den passenden Kunden, Herr G. der selber zuhause zwei ganze Zimmer voll mit Büchern besitzt, und in seiner Jahrzehntelangen Stöberei sogar einen einzigen Buchladen kennen gelernt hat, der Ubu ansatzweise das Wasser reichen kann:

Wolfgang Jöst:„Von der Menge her nicht, aber vom System! Die Buchhandlung in Münster, die immer noch als Hintergrund für irgendeinen ‚Tatort’ genommen wird, die ist mir seit früher vertraut, die hat einen ähnlichen Charakter, wo die Bücher bis zur Decke gestapelt sind.“

Wer nun über viele Jahre hinweg mehr Bücher erwirbt als er Verkauft, der wird nicht unbedingt reich. Gibt es also neben der Liebe zum Buch auch einen kaufmännischen Ansatz?

Wolfgang Jöst:„Nä, einen Businessplan gibt es nicht.“

So bleibt Ubus Preispolitik stabil, und Bücher gibt es zum halben Preis, in dieser kleinen Oase des Wissens, der Literatur und der Ruhe mitten im hektischen Alltag der Innenstadt.

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