the Good, the Bad & the Ugly

Vor der Jahrhunderthalle Bochum liegt das Kunstdorf "The Good, the Bad and the Ugly". Es ist der Festival-Treffpunkt und das Herz der Ruhrtriennale 2015, geschaffen vom niederländische Atelier Van Lieshout. Verschiedene begehbare und benutzbare Kunstwerke spielen mit den Themen "Selbstbestimmung und Macht, Autarkie und Anarchie, Politik und Fortpflanzung". Die Bochumschau sprach mit Joep van Lieshout und mit dem ersten Übernachtungsgast.


the Good, the Bad & the Ugly

Joep Van Lieshout, Atelier Van Lieshout (AVL): the Good, the Bad & the Ugly„Willkommen in dem neuen Kunst-Dorf "The Good The Bad And The Ugly". Ein Ort, wo das Gute, das Böse und das Hässliche zusammen kommen und eine neue Utopie bilden. Ein Ort für Musik, Theater, Kunst, Vorträge und Kommunikation.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Das Refektorium nebenan und dieses mobile Theater ist der Mittelpunkt eines Labyrinths mit vielen Arbeiten. Zum Beispiel das Labor für Alkohol und Medikamente da hinten. Die Waffen- und Bomben-Werkstatt, auch da hinten. Mit einem Büro und einer Schlafkugel für die Freiheitskämpfer und Terroristen.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Die Bar Rectum, das große menschliche Verdauungsorgan und das ein Statement ist über die Komplexität des menschlichen Körpers und der Frage nachgeht, ob oder warum diese so gestaltet sind und wer diese wichtigen Systeme von Organen entworfen hat. Und selbstverständlich auf dem Gebäude hier oben drauf der Domestikator. Ein bewohnbares Haus in Form von einem Bauern mit seinem Tier.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Das wird hier während der Ruhr-Triennale stehen und dann im September wird es wieder abgebaut.. ja es darf nicht stehen bleiben.. und dann nächsten Sommer wieder aufgebaut und dann werden wir jedes Jahr ein neues Thema machen. So mit neuen Arbeiten, mit neuen Installationen, mit neuem Thema.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Der Domestikator symbolisiert die Macht des Menschen über das Tier und den Rest der Welt.“

Daan Van Lent, NRC Handelsblad: the Good, the Bad & the Ugly„Es ist sehr voll mit Anfragen, ob man hier übernachten kann. Ich habe im Januar angefragt und das war nachdem.. ich hatte ein Interview mit Johan Simons im Dezember und der erzählte, dass er mit Joep Van Lieshout hier das Dorf bauen wollte und dass man hier schlafen konnte und dann hab’ ich gesagt: "Ja, das will ich, das muss ganz toll sein." Und ja dann haben sie gesagt, das ist okay und später irgendwann sagte man mir ich könne hier die erste Nacht übernachten und ich sagte: "Ja, das machen wir." Es gibt noch kein Badezimmer, das kommt noch. Ich muss außen auf die Dusche gehen und die Toilette, aber das ist wie Camping, das ist kein Problem. Die WC’s die kann man auch brauchen heute auf der Party und die Dusche die ist abgeschlossen, aber morgen früh dann habe ich einen Schlüssel von der Dusche und dann kann ich da duschen, ja. er ist sehr berühmt in den Niederlanden und viele Werke, die hier sind, die konnte man schon früher sehen in den Niederlanden, mit Expositionen. Er ist auch international einer unserer bekanntesten Visual Artists.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Die Vernunft, die Raffinesse und das Vermögen des Menschen um sich zu organisieren und diese Macht zu benutzen um seine Umgebung zu beherrschen und dank dieser Beherrschung gibt es Wohlfahrt, Glück und Kultur. Aber jede dieser Grenzen werden immer wieder gedehnt, erneut ausgerichtet. Durch diese Grenzverschiebungen gibt es immer weniger Tabus und neue Tabus werden ins Leben gerufen. Genau mit diesen noch bestehenden und neuen Tabus spielt der Domestikator und eigentlich werden wir Menschen selbst immer mehr domestiziert durch Organisationen aus der digitalen Welt und dem Fortschritt der Wissenschaft. Der Domestikator benutzt Themen, die in meiner Arbeit öfter vorkommen, wie: Idealismus, Öthopie, Macht, Ethik, Liebe und Fortpflanzung. Der Domestikator ist zugleich ein einsetzbar als multifunktionales Gebäude für Versammlungen, um zu musizieren, um Rituale auszuführen und Spiritualität zu erfahren. Es wird sowohl ein angenehmer Aufenthaltsort, als auch ein Tempel der neuen Religion, in der der imaginäre Höhepriester zu dem Volk sprechen kann. Die verschiedenen Arbeiten haben sowohl eine tiefe, als auch eine düstere und auch leichte und sogar komische Seite. Selbstverständlich ist die Kunst-Installation auch eine Parabel für unsere eigene Gesellschaftsordnung. Über Macht, Terror, Nahrung und Nachhaltigkeit.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Rundherum The Good The Bad And The Ugly stehen Kunstwerke. Zum Beispiel Werke über Mensch und Tier. Die Tierärztin hilft bei der Geburt weiterer Tiere oder der Milchmann, der immer mehr Milch trinken will oder dort drinnen im Foyer, der Bauer und sein Huhn, die vögelnden Vögel und die küssenden Kaninchen. “

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Das Hagioscoop, das gelbe Gebäude da hinten, ist das ein Bauernhof aus dem Jahre Null, eine Höhlenwohnung mit einer primitiv-modernen Schreinerwerkstatt oder ist das der Bauernhof von Josef und Maria? Oder die zwei Kanonen, eine da hinten und eine im Foyer. Sind das Skulpturen, ist das eine Gestaltungsuntersuchung oder sind das Werkzeuge der Vernichtung oder Freiheit? Auch da drinnen, das Excrementorium. Eine Zusammensetzung von vielen Toiletten in einem Kreis als ein neues Kommunikationsmittel.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Die primitiven Skulpturen auch im Foyer. Venus, Mutter Erde und die Schwarze Madonna, was eigentlich eine Rosenskulptur ist. Die Skulpturen stehen auf modernen konstruktufistischen Sockeln und damit berühren sie die zwei Ziele von der Utopie. Die romantische, expressive Suche nach dem Ursprung. Das primitive, die Verschmelzung mit der Natur und der Erde.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Oder andererseits die Suche nach Fortschritt und Modernität. Eine Verschmelzung von Mensch und Systemen, von Mensch und Maschine. Und schlussendlich auch ein bisschen Apokalypse. Bei der Skulpturgruppe hinter dem Foyer wobei eine Mutter und Kind eine Pferdeleber ausschlachten.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Ich will mich sehr bedanken, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, diese Arbeit zu machen. Zuerst die Ruhr-Triennale und alle Mitarbeiter. Lukas, Julian, Fritz. Auch ganz besonders will ich mich bedanken bei Johan Simons und seinem Team. Wegen seiner Begeisterung und rücksichtsloser Leidenschaft. Auch meine eigenen Mitarbeiter, die viele Extrastunden und Wochenenden gearbeitet haben.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Wir haben schon lange Zeit dran gearbeitet, mit vielen Leuten und vielen anderen Unternehmen, die Teile für uns produziert haben hier sind, ich weiß nicht, acht Leute oder so gewesen um das alles aufzubauen. Es sind alles. Es sind Künstler, es sind Architekten, Designer, Handwerker.. alles und wir arbeiten alle zusammen, um solche Sachen zu machen.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Und schlussendlich sind 20 LKWs von Rotterdam nach Bochum gefahren. Und auch einen ganz speziellen Dank für die RWE-Stiftung, die es möglich macht um jedes Jahr ein neues Thema und Arbeiten zu introdisieren und eben einige neue große Skulpturen speziell für dieses Projekt zu produzieren. Auch bin ich sehr froh, dass The Good The Bad And The Ugly inhaltlich programmiert wird mit Diskussion, Film, Theater, Musik. Fast jeden Tag ist etwas los, es wird ein lebendiger und auch aufregender Ort sein für Künstler, Besucher, Festivalmacher und Studierende. Hier treffen zufällig oder verabredet Menschen aufeinander. Sie lernen einander kennen, sie essen, trinken und feiern, debattieren und applaudieren.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Zum Wohl.“

Frau: the Good, the Bad & the Ugly„Ja, vielen Dank. Warte, ich nehm’s von außen mit. Aber Sie können das schon ruhig n’ bisschen voller machen. Dankeschön.“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Und jetzt wird die Türe vom Refektorium geöffnet und ich wollte mich noch gerne sehr bedanken und Ihnen viel Spaß wünschen.“

Bochumschau: „Eine kurze Frage, was ist das für ein Tier, was wir da sehen?“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Das ist nicht bestimmt. Also manche sagen es ist ein Hund, manche sagen es ist ein Schwein und manche sagen das ist eine Frau. Also ich weiß nichts..“

Bochumschau: „Frau..?“

Joep Van Lieshout: the Good, the Bad & the Ugly„Ja, die haben auch vier Beine.“


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