Registrierkassen

Rechts und links und gegenüber eines kleines Ladens am Südring stehen die Ladenlokale leer. Doch dieser kleine Laden steht da wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. "Registrierkassen Lilie" ist ein Bollwerk gegen den Zeitgeist, Ladenschließungen und Schmuddelecken. In den 50er Jahren wurde der Laden geöffnet und bis heute noch nicht geschlossen - auch wenn die Waren, die hier angeboten werden, langsam aus der Mode kommen.


Registrierkassen

RegistrierkassenWenn man am Südring an der Ampel steht fällt der Blick unweigerlich auf den schon leicht historisch angehauchten Schriftzug „Registrierkassen“. Im Jahr 1957 wurde das Gebäude errichtet, seit dem gibt es den Laden. Die Schaufensterdekoration wirkt auch tatsächlich ein bisschen museal, dabei zeigen diese Sammlerstücke ein Stück Kulturgeschichte. Kassen, Rechenmaschinen all das war früher einmal Bestandteil eines jeden Ladens, eines jeden Büros Asbach-Uralt, aber schön und schwer. Wenn der Ladenbesitzer Bernd Lilie sein bestes Stück umwuchtet, hebt er mal gerne 70 Kilo. Lilie, das ist der Name einer kleinen Registerkassen Dynastie in Bochum. Der Vater gründete Anfang der 50er Jahre den Betrieb, der Sohn übernahm dann 1968 den Laden und auch das beste Stück, eine Registrierkasse aus dem Jahr 1902.

Bernd Lilie, Büromaschinenmechaniker: Registrierkassen„Diese Maschine kostete damals so viel wie ungefähr ein Auto mindestens so viel wie ein Auto.“

RegistrierkassenNun heute haben sich diese Werte ein wenig verändert, was früher das Aushängeschild eines gut gehenden Geschäftes war ist heute Sammlerstück. Doch so manche alte Tastatur wird auch heute noch gedrückt, Maschinen aus den 50er und 60er Jahren die zur Reparaturen bereit stehen. Denn diese alten mechanischen Kassen kann ja heute niemand mehr reparieren, es sei denn er ist Büromaschinenmechaniker.

Bernd Lilie, Büromaschinenmechaniker: Registrierkassen„Der Büromaschinenmechaniker hat folgendes gemacht, er hat hauptsächlich Schreibmaschinen gemacht, Rechenmaschinen in allen Varianten und Registrierkassen.“

RegistrierkassenDas sind noch Tasten mit Pfennigbeträgen und das sind Tasten mit Krokant und Schokobecher, die Kasse einer Eisdiele. Wir sind im 21. Jahrhundert gelandet, die Mechanik wurde durch Steuerungsplatinen ersetzt. Hier stehen Kassen, die heute noch überall benutzt werden. Lautlos nehmen Sie ihre Information entgegen und bieten die Produkte auf dem Display an. Das Einzige was noch gleich ist, am Ende steht immer ein Stück Papier.

Bernd Lilie, Büromaschinenmechaniker: Registrierkassen„Das Finanzamt hat eine Vorstellung, dass man eine ordnungsgemäße Abrechung macht, die heute laufenden Nummern beinhalten, so dass jeden Tag Abrechung gemacht wird und nicht mehr.“

RegistrierkassenWer einen Laden 45 Jahre lang führt, der hat irgendwann keinen Platz mehr. Auch in der Werkstatt wird es langsam eng, aber auch hier gibt es wieder ein Schätzchen zu sehen, eine Kasse aus den 50er, rein mechanisch, aber schon eine elektrischer Antriebsmotor. Hinter der Werkstatt befindet sich noch ein große Lagerhalle und dort befinden sich derzeit wie viele Kassen?

Bernd Lilie, Büromaschinenmechaniker: Registrierkassen„Einige hundert.“

RegistrierkassenDa grinst er, der Sammler und Tüftler, und zeigt, dass auch die Technik des 21. Jahrhunderts von einem echten Büromaschinenmechaniker zu bezwingen ist, und trotzdem geht es so langsam Berg ab mit seinem Gewerbezweig.

Bernd Lilie, Büromaschinenmechaniker: Registrierkassen„Also in meiner Branche ist es weniger geworden, weil erstens die Geschäfte weniger geworden sind, das heißt wir haben weniger Kunden in dem Sinn und zusätzlich ist das weggefallen wo die Computer in den Vordergrund getreten sind.“

Registrierkassen65 Jahre ist Bernd Lilie jetzt, fünf Jahre möchte er aber noch machen. Solange gibt es dann auch noch dieses so herrlich aus der Zeit gefallene Schaufenster.

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