Der Rahmenbauer

In der Reihe der seltenen Berufe hat die Bochumschau in den letzten Monaten schon einige zum Teil sehr exotische Sparten vorgestellt. Meistens gibt es nur wenige Menschen, die diesen Beruf oder dieses Handwerk auch wirklich ausüben. Die Flötenbauerin gehört dazu, ebenso der Tierpräparator oder der Rahmenbauer. Der Rahmenbauer baut Fahrradrahmen und davon, also von den Rahmenbauern, gibt es in Bochum gerade einmal drei Stück. Einer von ihnen zeigt uns, wie so ein Rahmen entsteht.


Der Rahmenbauer

Balance, der Fahrradladen mit Rädern für jedermann. Für Groß und Klein, für Anfänger und Fortgeschrittene, und Träumer, die bei Le Canard landen; Der Firma, den Machern und Spezialisten von Balance, die ein persönliches Fahrrad bauen. Eine Spezialanfertigung für diejenigen, die ihre Träume wahr werden lassen wollen.

Der Rahmenbauer „Es ist wirklich so, dass die meisten Leute nicht kommen, weil sie ein eigenes Fahrzeug benötigen. Die meisten kommen, weil sie so was haben wollen.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Der Rahmenbauer Sagt der, der es wissen muss: Stephan Ensthaler, der Rahmenbauer, Spezialist in Bochum und in Deutschland. Wir heften uns einfach mal an seine Fersen und sind dabei, beim Bau eines Fahrrades; So soll es mal aussehen, aber bis dahin ist es ein langer Weg und auch der beginnt ja bekanntermaßen mit einem ersten Schritt.

„Da erste was ich mache: Ich quiz’ dich so lange, bis ich mir ein ungefähres Bild davon machen kann, was du gerne machst, wie du gerne fährst. Und dann, wenn ich ein Bild von dir habe, dann geh ich hin und vermesse dich, ich hab ne Vorrichtung hier im Laden dafür, wo ich Maß nehmen kann; Es gibt so sieben- acht Körpermaße, nach denen sich eine Rahmengeometrie gut berechnen lässt.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Der Rahmenbauer Die Vermessung des menschlichen Körpers. Diese biometrischen Daten wandern jetzt nach Langendreer, wo direkt gegenüber vom Alten Bahnhof Die neue Fahrradschmiede von Le Canard/Balance entstanden ist. Hier ist gerade das Basismaterial angekommen: Leichte aber harte Rohre. Und hier gibt es keine Kompromisse!

Der Rahmenbauer „Beim Material geb’ ich dir die Auswahl zwischen Stahl und Stahl und natürlich Stahl. Das hängt ein Bisschen damit zusammen, dass es sich sehr gut verarbeiten lässt, das Material, auch gut beschaffbar ist, und dass ich’s auch in unterschiedlichen Wandstärken bekommen kann, also ich kann sehr genau vorher entscheiden, ob es ein leichter Sportrahmen wird, oder ein gutmütiges Zugtier, mit dem man auch mal schwere Lasten transportieren kann.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Über ein Computerprogramm werden die einzelnen Körperdaten in Rahmenmaße umgewandelt; Personalisierte Rohrlängen und Winkelgrößen. Was nicht passt wird passend gemacht, für den einen Körper, den einen Fahrer; Das ist der Unterschied zum Rahmen von der Stange.

„Ich kann einen Rahmen, einen Herrenrahmen zum Beispiel, in fünf unterschiedlichen Größen beziehen, die, so wie sie sein sollten, möglichst vielen Leuten passen sollen. Jetzt sind aber die Menschen immer sehr, sehr unterschiedlich und man kann mit fünf Rahmengrößen auch nicht jeden Menschen abdecken.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Stephan Ensthaler, ist einer von drei Rahmenbauern in Bochum, das ist viel, handelt es sich doch um ein eher seltenes Handwerk. Nach einer Ausbildung zum ZweiradmechanikerHat er in Frankfurt auf der Bundesfachschule seinen Meister gemacht. Sein Fachgebiet: Füge-Technik. Dann soll er uns doch erklären, wie er die Rohre hier zusammenfügt.

Der Rahmenbauer „Wir reden hier auch von Hartlöten. Löten, im Gegensatz zum Schweißen, ist so, dass der Grundwerkstoff, sprich meine Stahlrohre, nicht aufgeschmolzen werden. Ich bleibe im Temperaturbereich drunter, wenn auch mitunter nicht weit unter dem Schmelzbereich von Stahl, und habe einen Zusatzwerkstoff, nämlich mein Lot, was dann einen entsprechend niedrigeren Schmelzpunkt hat und damit dann an der Oberfläche eine Legierung eingeht. Das ist also eine Legierungspartnerschaft und keine Schweißverbindung.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Und dann wird der Rahmen noch in einem Fachbetrieb lackiert. Und Vorhang auf: Da ist er. Ein kleines Meisterstück. Der Betrachter spendet still Beifall und würde wohl vom Herzstück eines Fahrrades sprechen, aber der Rahmenbauer formuliert es noch poetischer:

„Der Rahmen ist sozusagen die Seele des Fahrrades und so nah kommt man ansonsten nie an das Produkt heran.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Und jetzt bekommt die Seele ihren Körper. Was wäre ein Fahrrad ohne Räder, Tretlager und Pedale? Und persönliche Signatur? Die Ente, für Ensthaler, gut versteckt im Schilf.

Der Rahmenbauer „Also für mich ist es immer schon ein Traum gewesen, als ich angefangen habe mich mit Fahrrädern zu beschäftigen, dass etwas für mich auf Maß angefertigt worden ist und dass ich vom kleinsten Detail, wo ein Gewinde sitzt, oder bis hin zum Groben und Ganzen darüber entscheiden kann, wie der Rahmen dann hinterher aussieht.“ Stephan Ensthaler, Rahmenbauer „Le Canard“

Noch eine kurze Verweildauer, im Laden, im Showroom, dann kommt der vielleicht schönste Moment: Die Übergabe. Ein kleines Weihnachtsfest mit strahlenden Augen, und später dann mit einem dankbaren Körper, der das Fahrrad nach Maß sehr zu schätzen weis.


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