New Pott

Ein Fotografie-Projekt von Mischa Kuball unter dem Titel „100 Lichter / 100 Gesichter“. Ich schenke dir eine Lampe und du mir deine Geschichte. Hört sich komisch an, ist aber richtig spannend. Der Künstler Mischa Kuball hat 100 Zugezogene aus 100 verschiedenen Ländern befragt, wie und warum sie im Ruhrgebiet gelandet sind. Und dazu hat er sie noch in ihrem Zuhause fotografiert.

New Pott

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New PottDas hier sind antike Skulpturen und Bildnisse mit "Griechischem Migrationshintergrund". So wäre es vielleicht im Jahr 2010 politisch korrekt ausgedrückt. Vielleicht würde es die antiken Statuen in der Kunstsammlung der Ruhruniversität interessieren, was ihre Nachfahren in Sachen "Einwanderung Deutschland" heute so treibt. Schließlich stehen und hängen sie jetzt zusammen. Die alten und die neuen Einwanderer.

Zusammengebracht hat sie nun Mischa Kuball, der Düsseldorfer Künstler im Fachgebiet Raumbezogene Projekte, hat sich auf ein Großprojekt im Bereich der Migrationsgeschichte eingelassen, denn er hat im Ruhrgebiet einhundert verschiedene Familien aus einhundert verschieden Ländern mit der Kamera besucht.

New Pott Mischa Kuball, Künstler "New Pott": "Weil ich wollte, dass die Menschen aus dieser Region ihre Geschichte erzählen: aus dem Land, aus dem sie kommen, die Zeit, die sie hier verbringen und die Erfahrungen, die sie hier gemacht haben als sie angekommen sind. Die Kinder die hier aufwachsen sind, wenn sie hier geboren sind beispielsweise oder in Angola geboren und dann hier eben weiter zur Schule gehen. Und das sollte so zu sagen alles personifiziert werden, das war die Idee."

Und so erzählten sie über ihren Weg in das Ruhrgebiet. Aus Afrika, Asien oder Amerika. Und alle bekamen ein Geschenk, denn Mischa Kuball kam nicht mit leeren Händen. Er brachte immer eine Lampe mit. Einhundert Lichter - einhundert Gesichter: Ich bringe dir ein Geschenk mit und du erzählst mir deine Geschichte, warum du nach Deutschland gekommen bist.

New PottKonan Ndri, Elfenbeinküste: "Wegen einer Ausbildung und der deutschen Sprache. In Afrika, wenn man über Deutschland redet, dann sehen die dich dort als einen guten Arbeiter und eine Ausbildung in Deutschland ist sehr gut in Afrika anerkannt."

Die Kunstsammlung Ruhruniversität Bochum war ja schon immer ein Ort der Kulturellen und der künstlerischen Vielfalt. Antike neben Moderne, Statue neben Fotografie. "Kulturgeschichte", was auch ein Titel für die Ausstellung "100 Lichter / 100 Gesichter" seien könnte. Die heißt aber schon "New Pott" und könnte aber auch "New Home" heißen, denn bei 100 Einblicken in die neue Heimat von Menschen, die ins Ruhrgebiet gekommen sind bleibt die Frage, wie viel Heimat und wie viel Deutschland findet man dort.

Mischa Kuball, Künstler "New Pott": "Manchmal merkt man schon so diese Übergänge. Also dass Leute zum Beispiel etwas aus Ägypten mitgebracht haben und das dann mit den deutschen so "vermöbeln". So eine Ästhetik die wir von Ikea oder anderen Möbelhäusern kennen, die ihren Einfluss hier mit rein genommen haben. Aber man merkt eben doch, es gibt immer etwas, was einen Rückbezug zu ihrer Heimat hat. Manchmal ist es nur eine Fahne oder ein kleiner Spruch von der Familie in der jeweiligen Umgebung."

"Komm, Komm, Komm!" rufen sich die stolzen Abgelichteten zu, wenn sie ihre Bilder entdeckt haben. Wer bist du, wo kommst her und vor allem: fühlst du dich hier wohl? Eine herzliche Gemeinschaft mitten im Ruhrgebiet, die es wohl auch nur hier so geben kann.

New PottAridasa Kandege Sri Lanka: "Ich hab mal angefangen in München, Berlin, Hamburg, gesamt Deutschland. Aber Wohlgefühle habe ich nur im Ruhrgebiet gehabt. Deswegen bin ich ein Ruhrgebietler geworden."

Das schöne in an diesen Einblicken ins Private ist ja, dass man viel Vertrautes entdeckt. "Das sieht ja aus wie bei uns zu Hause", und schon ist man sich gar nicht mehr so fremd.

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