Knappenparade

Es gibt Menschen, die haben in ihrem Leben nie eine fördernde Zeche gesehen. Bochum beruft sich zwar auf seine Bergbautradition und pflegt mit dem Bergbaumuseum eine einzigartige Insitution, doch drehende Fördertürme gab es hier in den letzten Jahrzehnten nur noch zur Bewetterung. Da wird es einem melancholisch ums Herz, wenn einmal im Jahr die Knappenparade durch die Stadt zieht. Viele alte Männer im schwarzen Bergkitteln und mit Gesichtern, denen man die jahrelange Plackerei auf der Suche nach dem schwarzen Gold ansehen kann. Die letzten Zeitzeugen einer vergangenen Epoche. Bilder für das Filmarchiv.


Knappenparade

Knappenparade Ein musikalischer Auftritt der seltenen Art. Das liegt an dem Orchester, denn hier haben wir die musikalische Abteilung des alten Kohleriesen RAG, sprich: Das alte Werksorchester. Früher war das normal, dass eine große Zeche auch ein eigenes Orchester besaß, doch mit den Zechen starben auch die Orchester; Bis auf eines, denn das bildete die Vorhut der großen Knappenparade in Bochum. Und wer früh kommt, bekommt auch die besten Plätze, die Überdachten, denn mitten im Stück fängt es plötzlich richtig an zu gießen; Der Platzregen zum Platzkonzert, na prima. Und hier sollen gleich die Knappen stehen, zum Aufmarsch durch die Bochumer Innenstadt? Der Blick der Kamera schwingt zurück ins Trockene, ein begehrter Platz, wie wir gleich sehen werden. Plötzlich halten hier die Sonderbusse der Bogestra und hinaus treten viele hundert Jahre Ruhrbergbau; Die Knappen sind los. Ein Treffen zur 41. Landeskirchenschicht, mit Gottesdienst und Parade, in Bochum. Und jetzt wird es langsam gemütlich: Die feinen Bergmannskittel drängen auch ins Trockene und zur Musik. Der überdachte Platz unter dem Vorbau des Rathauses wird nun zu einem ganz besonderen Ort.

Knappenparade „Wir haben so etwas, solche Situation, natürlich schon häufiger erlebt und, ich kann das einfach aus meiner Erfahrung sagen: Je dichter das Publikum bei den Musikern steht, umso besser wird die Musik, weil einfach der Kontakt sehr gut ist.“ Ullrich Hillebrand, RAG Orchester

Knappenparade Stimmt! Und weglaufen hätte sowieso niemand gekonnt, aber eines war klar: So konnte das nicht ewig weiter gehen. Immer mehr Knappen strömten auf den Rathausplatz, bis die ersten in den Regen mussten; Auf dem Kopf haben sie ja alle was, aber im Kopf vor Allem Zuversicht.

Knappenparade „Also wir Bergknappen, wir hadern nie mit dem Wetter, weil der St. Petrus ein Bergknappe ist und der wird sich bis zur Parade an uns erinnern und dass Wetter wieder entsprechend einrichten.“ Edgar Fischer, Ringsprecher des Südwestfälischen Knappenrings

Und siehe da: Nur kurze Zeit später wird die Luft deutlich trockener; Die Bergleute scheinen wirklich einen kurzen Draht zu Petrus zu haben. Zuversicht breitet sich aus. Da hat sich die Anreise wohl doch gelohnt für „De Limburg se Koempels“, alte Bergleute aus dem holländischen Limburg; Ja ja, auch da gab es Bergbau. Traditionelles: Das alte „Arschleder“, damit die Hose beim Rutschen hält. Sogar das seltene Bild des Bergbau Nachwuchses, untertage gehen die aber nicht mehr. Achthundert Knappen waren es am Ende auf dem Rathausplatz; Die Fahnen zeigen, wo sie herkommen. Aus Geldern, aus Glattbeck und aus Herne. Acht Kilometer entfernt stand einst die Zeche Mont-Cenis und die schönste Fahne besaß natürlich die heilige Barbara. Das war schon ein ganz besonderer Aufmarsch hier, von dem die Bergbautradition noch ein bisschen am Leben gehalten wird.

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Knappenparade „Die Kumpels von der Schachtanlage haben den Verein, den POV Herne-Sodingen, 1885 gegründet. Die Schachtanlage hat gefördert von 1875 bis 1978; Gut einhundert Jahre.“ Gottfried Zechel, Knappenverein Herne-Sodingen

Knappenparade Und dann der Aufmarsch! „Tief in der Erde Schoß erwartet uns ein schweres Los“, war auf einer Fahne zu lesen, aber Übertage geht es ganz beschwingt. Bilder für Nostalgiker; Schön, aber wie lange noch? Denn Bergleute gibt es hier in Bochum schon lange nicht mehr und irgendwann wird es hier auch keine Ehemaligen mehr geben.


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