Die neue Hustadt

Die Hustadt ist definitiv ein ganz besonderes Stück Bochumer Bau- und Kulturgeschichte. Zu Beginn der 70er als Wohnen der modernen Art errichtet, wurde die Hustadt im Laufe von zwei Jahrzehnten zu einem Ort, wo keiner mehr hinwollte. Hohe Häuser, viel Beton, wenig Grün. Nun, wiederum zwei Jahrzehnte später, wird die alte Siedlung reanimiert. In die Hustadt ist wieder Leben gekommen - und Farbe.


Die neue Hustadt

Die neue Hustadt In der Farbenlehre ist Orange ganz sachlich ein Zwischenton, zwischen Rot und Gelb. In der Psychologie aber steht Orange für Erfrischung, Fröhlichkeit und Jugend. Und siehe da: Ein ordentlicher hauch von Orange kann einen eher tristen Wohnblock wie die Hustadt doch sehr erfrischen. Es ist gar nicht immer so einfach eine schmucklose Bausubstanz aus den Siebzigern ins einundzwanzigste Jahrhundert hinüber zu retten; Da ist Farbe nicht alles, aber ein wichtiger Punkt. Selbst die Bewohner der Hustadt passen sich an: Die neue Modefarbe in Bochum-Süd ist Orange.

Alexander Kutsch, Stadtumbau-Planer
„Orange ist tatsächlich auch ne Farbe, die so was wie nen Aufbruch in meiner Sicht auch widerspiegelt, und das passt ganz gut zum Aufbruch, der durch den Stadtumbau in der Hustadt ausgelöst wurde.“

Der Stadtumbau hat in der Hustadt sogar ein eigenes Büro. Hier sitzen Diplom-Ingenieure und Raumplaner über Zeichnungen und skizzieren neue Ideen: Aus Grau soll Bunt werden, unpersönliches soll wieder Nähe erhalten und aus einem Stadtteil der out ist, einer der hip ist.

Die neue HustadtAlexander Kutsch, Stadtumbau-Planer
„Ja, das kommt halt wirklich davon… es hängt halt davon ab, wie sich die Gesellschaft entwickelt. So ein gewisser Hipness-Faktor ist jetzt schon zu erkennen. Wenn wir hier mit Studenten sprechen, die sagen uns das, dass sie hier das Gefühl haben ‚Es passiert was’ und es sieht auch wieder modern aus. Es nicht so, dass es so ein Bisschen alt und verwohnt aussieht, sondern es hat nen modernen Touch bekommen und ich denke auch, je mehr Menschen davon hören, umso eher wird das eintreten.“

Ein Blick zurück auf die Entstehungsgeschichte: Die Hustadt war aus so einer Art Notwehr heraus entstanden. Fotos Ende der Sechziger, Anfang der siebziger Jahre, zeigen auch in Bunt wenig Farbe.

Die Bauphase: 1965 wurden zwar die ersten Studenten immatrikuliert, aber die Ruhr Universität war längst noch nicht fertig; Bis in die Siebziger wurde dort noch gebaut. Und wenige Meter daneben, neben der neuen Heimat für Bildung, entstand die Heimat für Studenten. Die Hustadt. Breit und vor allem hoch. Es kamen zu dieser Zeit neue Menschen nach Bochum und die brauchten ein Dach über dem Kopf.
Der Hustadt lag eine Idee zugrunde: Hier sollte der Student neben dem Professor und neben dem Opelaner wohnen.

Die neue HustadtDie neue HustadtDie neue Hustadt

Die neue HustadtDr. Dieter Kraemer, VBW Bochum:
„Es war mal eigentlich das, wo in den siebziger Jahren (oder auch ende der sechziger Jahre) die Leute glaubten, so soll das Wohnen der Zukunft sein. Es gab auch diese Mischung, es gab auch die Studierenden, die zum Teil hier wohnten, aber auch die Professoren und Angestellten. Ne wie man fand stabile Mischung, die glaubte fortschrittlich zu wohnen.“

Die Zeit verging und in der Hustadt blieb wenig vom alten Traum erhalten. Die innere Hustadt umfasst gut 1200 Wohnungen mit über dreitausend Personen. Viele junge Familien, viele Kinder, viele Nationen. Es gibt dort rund um den zentralen Platz, den Brunnenplatz viele Institutionen; Kirche, Fördervereine, ein Bisschen Infrastruktur, ein Bisschen Bildung. Manchmal ein Bisschen kurios, wie in der Buchtausch-Börse, ein öffentlicher Schrank zum reinstellen und rausnehmen. Die Universität ist hier so nah und doch so fern; Der alte Traum vom vermischten Bildungspublikum ist nicht aufgegangen.

Die neue HustadtDr. Ernst Kratzsch, Baudezernat Stadt Bochum
„Die Professoren und die Oberräte sind dann doch vielleicht woanders hingezogen, deswegen gab es halt ne kleine Delle und es war notwendig diesem Ort wieder eine Adresse zu geben“

Und da ist jetzt ein richtig guter Anfang gemacht worden. Neben der Stadt ist die VBW der zweite Antriebsmotor des Umbaus; Der VBW gehören fast die Hälfte der Wohnungen und Gebäude. Und die VBW kann nicht nur orange, die kann auch gelb. Eine Sanierung von Wohnhülle und Wohnumfeld; Vom Hauseingang, bis zum Müllstandort. Und dann gibt es ja noch ein Sanierungshighlight: Der neue Spielplatz, direkt vor dem Hustadttor. Hier kurz vor der Eröffnung und dann kurz nach der Eröffnung. Auf einen Spielplatz gehören Kinder, und die haben der Eröffnung entgegen gefiebert, so wie die kleine Dalia:

„Mir gefällt der Spielplatz und hier der Brunnenplatz, wie die den neu gemacht haben, also ich finds einfach schön.“

Eine Einweihungsfeier mit viel Prominenz aus der Politik und dem Stadtteil, und einer erfreulich hohen Anzahl von Hustadtbürgern. Es gibt viele Vorurteile gegenüber der Hustadt und seinen Bewohnern, deshalb wird hier auch mit einem aufgeräumt: Es gibt hier sehr viele Menschen, die hier gerne Wohnen und auch wohnen bleiben wollen.

Dr. Dieter Kraemer, VBW Bochum
„Und was auch toll ist in der Hustadt, ist dass die Menschen sich in großen Teilen auch sehr kümmern, um ihre Hustadt. Dieses Sich-Kümmern, auch Sorge tragen, für ihr Quartier; Das ist hier ausgeprägter als in vielen anderen Stadtteilen.“

Eins-Zwei-Drei und hoch das Bein, das ist der Hustadt-Nachwuchs. Vielleicht hat es damals nicht mit den Gruppen Studenten, Professoren und Opelanern geklappt, aber jetzt funktioniert die Mischung. Fünfzig Nationen in einem Stadtteil; Die Hustadt ist nicht nur orange, sie ist schön bunt.


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