Grummer Karree

Das Ruhrgebiet ist die Heimat der Arbeitersiedlungen. Von der Margarethenhöhe (Essen) bis zur Kapps-Kolonie (BO-Hordel) gibt es viele dieser Orte, in der die Ruhrgebietsgeschichte noch spürbar ist. Es gibt Siedlungen, die sehen heute viel schöner aus, als damals, als sie gebaut wurden. Speziell die 20er Jahre-Siedlungen, die meist in der Nähe von Stahlwerken errichtet wurden. Ein Beispiel ist die Siedlung in der I. Parallelstraße in Grumme. Aus dem häßlichen Entlein ist ein schöner Schwan geworden. Mit ganz viel Geschichte und einem neuen Namen.


Grummer Karree

Grummer Karree Eine gute Adresse ist ein Ort wo man sagt: Da komme ich her, da will ich hin. Eine gute Adresse ist auch immer ein Stück von einem selbst, so wie dieser Ort mitten in Bochum, mit dem schönen Namen Grummer Karree. Man sieht es nicht auf den ersten, und eigentlich auch nicht auf den zweiten Blick, dass das Grummer Karree schon im Jahr 1927 erbaut wurde; Damals als eine klassische Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet, als Wohnort für die Arbeiter des benachbarten Stahl- und Walzwerkes. Lang ist das her. Alte Fotografien belegen, so sah es hier mal aus.

Grummer Karree „Im Jahre 1997 hat die VBW diesen Bereich, der hieß natürlich nicht Grummer Karree sondern hieß schlichtweg erste Parallelstraße, erworben. Eigentlich, theoretisch, ein Filetstück, wie wir jetzt sehen, aber in einem sehr bejammernswerten Zustand, dass muss man wirklich sagen. Wir hatten deswegen auch von Anfang an Probleme in der Nachvermietung der Wohnungen, wo dann alte Mieter auszogen, krank wurden oder starben, weil in dem Zustand eine Weitervermietung an neue Mieter kaum möglich war, so dass zu dem schlechten Zustand nach und nach auch Leerstände gekommen sind. Und es war im Rahmen unserer Investitionspolitik sehr schnell klar: Da muss was passieren.“ Dr. Dieter Kraemer, VBW-Geschäftsführer

Grummer Karree Eine gute Adresse hat auch immer einen Charakter, eine Geschichte. Diese alte Stahlarbeitersiedlung einfach abzureißen wäre schade gewesen, zu schade, dachte sich die VBW und sanierte, mittlerweile schon seit gut sechs Jahren. Haus für Haus, Wohnung für Wohnung. Und das Besondere war: Die alten Mieter zogen mit, zogen aus ihren alten Wohnungen in frische sanierte, und blieben der ersten Parallelstraße treu, so wie Ingrid Böttcher, die (jetzt wird es historisch) seit dem Jahr 1961 in der Siedlung wohnt.

Grummer Karree „Mein Mann ist hier groß geworden auf der Diemelstraße und dann haben wir eine Woche in Wanne-Eickel gewohnt, weil ich da gewohnt habe, und dann sind wir 1961 hier nach Bochum gezogen. Erste Parallelstraße 61, da haben wir gewohnt bis 1967, dann sind wir in die erste Parallelstraße 71 gezogen und 2008 hierhin wegen dieser Sanierung, das war hier auch die erste Parallelstraße 79.“ Ingrid Böttcher, seit 1961 im Grummer Karree

Grummer Karree Solche Biografien sind hier gar nicht so selten. Vielleicht mit ein Grund, warum die Anwohner während der sechsjährigen Umbauphase ihrer Siedlung treu blieben, trotz Lärm und Dreck. Schließlich mussten 177 Wohneinheiten umgebaut werden, um das ging nicht immer leise; Das stille Örtchen war keines mehr. Doch der Schrecken hat ein Ende, ein absehbares Ende: Bald ist die letzte Lücke geschlossen. Das letzte Grau wird bald weiß sein.

„Wir sehen hier, wenn wir rüberschauen, Sie haben das sicher auch den Zuschauern gezeigt, die den Film schauen wollen, dass wir drüben immer noch nicht fertig sind. Wir werden bis zum Ende Februar, nach der jetzigen Planung, des kommenden Jahres brauchen um dann ganz durch zu sein.“ Dr. Dieter Kraemer, VBW-Geschäftsführer

Aber es hat sich gelohnt, sagen die Architekten- und Bauverbände, denn die frühere Stahlarbeitersiedlung wurde für ihren Umbau zum Grummer Karree prämiert, mit dem Deutschen Bauherrenpreis.

„Also der Deutsche Bauherrenpreis ist jetzt eigentlich die bedeutendste Auszeichnung für den Wohnungsbau, die es in Deutschland gibt.“ Dr. Dieter Kraemer, VBW-Geschäftsführer

Ein Bisschen stolz sind die Anwohner jetzt auch auf den Preis; Wer so einen langen Umbau mitmacht hat auch seinen Anteil verdient. Bei einem Nachbarschaftsfest kamen sie alle zusammen. Und siehe da: Das Grummer Karree ist altersmäßig ordentlich durchgemischt. Alte Bewohner, die noch auf dem Stahlwerk gearbeitet haben, und viele junge Familien, die die zentrale, ruhige Lage schätzen.

Grummer Karree „Wir haben Single, wir haben junge Ehepaare ohne Kinder, genauso haben wir ältere Menschen, die hier vor den Modernisierungsmaßnahmen hier lebten, dann kurzzeitig umgesetzt wurden und dann nach der Modernisierung wieder in ihre Wohnungen zurück konnten.“ Lisa Marie Wächter, VBW Bochum

Diese Generation hier hat sowieso schon viel zu viel erlebt, um sich von einer Umbauphase aus der Ruhe bringen zu lassen. Da wurden Fotos rumgereicht; Die schönsten Baustellenfotos, herrlich! Und auch hier stoßen wir wieder auf Bewohner, die fast ihr ganzes Leben in dieser alten Siedlung verbracht haben.

Grummer Karree „Als ich erwachsen war, bin ich 73 im Haus ins Dachgeschoß gezogen und 1986 im April auf 71 und dann 2008 hier rüber, also, ich hab schon einiges mitgemacht.“ Marietta Reuter, Bewohnerin Grummer Karree

Schöne Geschichte. So etwas gibt es also wirklich noch. Ob die jungen Neubewohner auch so lange hier wohnen bleiben, ist eher unwahrscheinlich, aber ein finanzieller Anreiz wäre vorhanden.

„Wir haben hier Mieten zwischen 6 und 7 Euro, das ist noch eine Größe, die die Meisten sich leisten können für diese Wohnung, aber ich denke mal, man muss aufpassen, dass man das nachher nicht wunderschön baut, da aber zum Schluss keiner hingeht von unseren normalen Leuten hier im Ruhrgebiet.“ Dr. Dieter Kraemer, VBW-Geschäftsführer

Das Grummer Karree ist ein Ort mit Geschichte, ein Ort im Ruhrgebiet, ein Ort der Wandlung, und es ist ein Ort mit einer richtigen Adresse für all diejenigen, die hier wohnen.


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