Der Vorleser

Es begann alles vor vielen Jahren mit den Tresenlesern. Da zog Frank Goosen durch die Bochumer Kneipen und las zusammen mit Jochen Malmsheimer aus vielen Werken der Weltliteratur. Meistens waren es lustige Bücher und oft wurde dazu auch ein Bierchen gereicht. Elf selbstgeschriebene Bücher später sitzt Frank Goosen nun wieder mit dem Buch in der Hand vor seinem Publikum in der alten Druckerei Herne. Früher füllte der die Kneipen, heute ganze Säle. Weil er etwas macht, was er sehr gut kann: Vorlesen!


Der Vorleser

Der VorleserBei der Buchhandlung Köters und Rötsches gibt es ein Vorne und ein Hinten. Vorne ist die Auslage mit Kaufbereich.

Der VorleserHinten gibt es ein Programm, illustre Gäste und die Alte Druckerei, die früher mal Produktionsstätte war und heute Heimat von Kunst und Kultur ist. Und Kultur steht hier in erster Linie für das gedruckte Wort, aber auch das gelesene, denn an diesem Abend hat man sich mit Frank Goosen jemanden auf die Bühne geholt, der drei Dinge kann: schreiben, lesen und unterhalten.

Frank Goosen, Romanautor und Kabarettist: Der Vorleser„Wir haben hier auch noch so etwas kleines hier. Bochumschau ist heute dabei. Können Sie sich dann im Internet begucken.“

Elisabeth Röttsches, Alte Druckerei Herne: Der Vorleser„Er ist wirklich ein Star-Autor, nicht nur im Ruhrgebiet sondern mittlerweile auch in ganz Deutschland und das spüren wir auf jeden fall bei den Anfragen und bei der Schnelligkeit des Kartenverkaufs.“

Der VorleserNun ist so eine Lesung ja auch ein künstlerischer Akt. Das kann man sehr langweilig, ja fast einschläfernd, gestalten oder kurzweilig und erfrischend. Für letzteres gibt es auch ein paar Tipps und Tricks vom Meister selbst.

Frank Goosen: Der Vorleser„Also wenn man es ein bisschen lebendiger machen will, dann sollte man nicht einfach nur stur vorlesen sondern zwischendurch auch n’ bisschen was erzählen. Möglichst am Anfang n’ paar Minuten frei mit den Leuten reden, vielleicht über die Entstehung des Buches erzählen oder so und dann kommt man schon einmal ganz anders rein, werden die Leute n’ bisschen warm und am Ende mach ich das sehr gerne, dass ich die Leute fragen stellen lasse. Das lockert die ganze Sache noch mal auf, wenn die Leute selber keine Fragen stellen, stell ich die und beantworte die auch selber.“

Der VorleserDer zweite wichtige Punkt bei einer Lesung ist dann, neben der Darstellung, der - na klar - Text. Frank Goosen hat bisher elf Bücher geschrieben über Fußball, Heimat und Beziehungen. Jetzt hat er einmal was neues probiert. Raketenmänner ist eine Sammlung von Geschichten die einzeln stehen aber zusammen wieder eine große Geschichte ergeben. Im Mittelpunkt, wie immer, besondere Typen. Wir hören mal rein.

Frank Goosen: Der Vorleser„Kruppke schreckte hoch. Es war das Telefon, nicht die Türklingel. Er war wieder auf dem Sofa eingeschlafen, der Fernseher lief noch. Es wurde geredet, so wie heute fast nur noch geredet wurde im Fernsehen. Wer zum Teufel rief ihn kurz nach Mitternacht an und ließ es dann endlos klingeln? Kruppke raffte sich auf und schlurfte in die Diele hinüber. Vom Sofa aufstehen war auch nicht mehr das was es früher mal war. Ging ihm durch den Kopf. Seine Gelenke wären gern sitzen geblieben. Er riss das Mobilteil aus der Basisstation und sagte: "Ja?". Er hatte es böse klingen lassen wollen aber es klang nur verschlafen. "Du wirst sterben" sagte jemand mit verstellter Stimme. "Wir werden alle sterben du Clown". Kruppke drückte auf das rote Hörersymbol und bedauerte nicht zum ersten mal, dass man heutzutage Telefonhörer nicht mehr wütend auf eine Gabel knallen konnte. Er war gerade wieder weg gedämmert, eine Flasche Bier in der Hand da weckte ihn hektisches Gestöhne. Das aber sofort verstummte als er den Fernseher ausschaltete. Kruppke wünschte sich das Testbild und das darauf folgende Rauschen zurück. Irgendwann musste auch mal Schluss sein. Er kippte das restliche Bier weg und ging schlafen. Als es an der Tür klopfte, saß er augenblicklich senkrecht im Bett, kalten Schweiß auf der Stirn. Er hatte von seiner zweiten Frau geträumt, die dreimal auf einen Holztisch geklopft hatte und dann mit einem Fleischermesser auf ihn losgegangen war. Es war fünf nach neun. Kruppke zog seinen Bademantel an und öffnete nach kurzem zögern die Tür. Um fünf nach neun wurde man nicht getötet.“

Elisabeth Röttsches: Der Vorleser„Ich weiß auch von unseren Kunden, dass es ein großer Unterschied ist ob man ein Buch einfach nur gelesen hat oder ob man den Autoren auch erlebt hat und von daher freuen wir uns alle immer ganz besonders darauf Autoren hier bei uns unmittelbar zu erleben.“

Der VorleserDie meisten Menschen können lesen, aber Frank Goosen kann auch sehr gut vorlesen. Ein schöner Abend in der Alten Druckerei in Herne und der nächste schöne Abend wird auch schon angekündigt.


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