Ellys Schwester

"Wenn du bei der Elly warst, dann mußt du auch noch zur Gertrud gehen", sagte uns ein Ehrenfelder Bürger, nachdem die Bochumschau das Elly-Portrait präsentiert hatte. Die Gertrud, das ist Ellys ältere Schwester, die dann logischerweise auch über 70 Jahre alt ist und ebenfalls einen Tante Emma-Laden besitzt - und das seit über 40 Jahren. Also, ab zur Gertrud.


Ellys Schwester

Ellys SchwesterDas hier ist Gertrud Vahrenholt, die Hauptperson in einer Geschichte über die letzten Tante-Emma-Läden Bochums. Gertrud Vahrenholt besitzt einen Laden an der Danziger / Ecke Drusenbergstraße. Einen alten Laden, der noch heute genau so aussieht wie zur Zeit der Eröffnung in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Und die Geschichte dieses Ladens begann tragisch, wie sich Anwohner erinnern.

Ralf Seifert, Ehrenfeld Ur-Einwohner: "Der Erste, der den Laden hatte, der hat ziemlich tragisch geendet. Der hat sich erschossen. Und die Leute, die hier wohnten, eine Frau, die hat mit Kind auf der Straße gespielt, wurde dann reingerufen, hat er dann seine Kinder erschossen und dann sich selbst erschossen, weil er Spielschulden hatte."

Feinkost, Lebensmittel, Kriminalgeschichten, an der Danziger Straße 1 wo sich seit über 40 Jahren noch nicht einmal mehr ein Ladendieb vorbei geschaut hat. Gertrud Vahrenholt hat viele Kunden, die schon vor Jahrzehnten hier zu Hause waren. Da kann man in der Geschichte kramen. Zweitbesitzer des Ladens war eine gewisse Frau Buschios und dann?

Ellys SchwesterGertrud Vahrenholt, 40 Jahre “Tante Emma“: "Wer kam denn nach Frau Buschios? Weiß ich schon gar nicht mehr. Ob ich dann schon danach hier war? Muss ja. Dann bin ich nach Frau Buschios - glaube ich – gekommen, ja sicher, weil immer die Leute sagten: „Bei Frau Buschios war es gut. Bei Frau Buschios…“ Ich sag mal, nun wartet mal ab, bis ich mich mal eingelebt hab, da können wir dann mal gucken."

Das war im Jahr 1971 und das ist jetzt 40 Jahre her. Damals gab es noch keine Supermärkte die bis 22 Uhr geöffnet hatten. Mit dem Geschäftsmodels eines Tante Emma Ladens ist auch die Kundschaft in die Jahre gekommen. Die Umsätze waren schon mal höher, aber klagen wird hier keiner.

Gertrud Vahrenholt, 40 Jahre “Tante Emma“: "Heute ist gut, Morgen ist weniger gut und fertig. So muss das auch sein, es ist überall so. Ob sie in einer Kneipe sind oder irgendwo, da ist es doch auch so."

Es geht auch nicht nur ums Geschäft. Hier im Ehrenfeld gehen die Bewohner etwas langsamer, weil es hier viele alte Menschen gibt. Und alte Menschen lieben die kurzen Wege zum kleinen Laden an der Ecke.

Ellys SchwesterHelmut Jagel, Tante Emma-Kunde: "„Man kauft hier, also ich sag mal in Anführungsstrichen, nicht nur Lebensmittel, sondern auch viele andere Artikel, diverse kleine Artikel, die man so für den täglichen Hausgebrauch auch haben muss. Und da ist es natürlich einfacher, besonders für ältere Leute, hier bei Frau Vahrenholt solche Artikel zu kaufen, als dann in die Stadt fahren zu müssen."

Müssen sie auch nicht: Dafür gibt es ja das Telefon und das Auftragsbuch. Hier gibt es noch “Lebensmittel auf Rädern“ oder den mobilen sozialen Hilfsdienst. Wer nicht mehr kann, den beliefert die Vierundsiebzigjährige Gertrud Vahrenholt noch selbst.

Gertrud Vahrenholt, 40 Jahre “Tante Emma“: "Und da gehe ich dann gleich hin, weil sie nicht mehr kann. Sie kann nicht mehr raus und dann, wenn ich Glück hab, dann krieg ich auch noch ein Teller Mittagessen, dann freut sie sich immer so. Dann erzählen wir ein bisschen und dann fahre ich natürlich nach Hause. Das ist einfach so in dem Beruf oder unser Elly, die ist Mutter Teresa, da macht man mehr, was man eigentlich gar nicht machen sollte, aber es ist schön."

Ellys SchwesterDie gerade erwähnte Elly ist übrigens die jüngere Schwester von Gertrud Vahrenholt, Elly Altegoer vom Tante Emma Laden an der Königsallee . Der Lebensplan der beiden sieht folgendermaßen aus: noch gut 10 Jahre den Laden machen und dann ab nach Spanien. Der Sonne beim Auf- und beim Untergehen zuschauen.

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