Elly

Eigentlich ist es nur ein Tante-Emma-Laden direkt an der Königsallee. Dadurch das die Besitzerin aber Elly Altegoer heißt, ist es ein ganz besonderer Ort in Bochum. Generationen von Ehrenfeldern und Graf-Engelbert-Schülern sind hier mit Lotto Toto, Schnuckersachen und frischen Brötchen groß geworden. Die Jahre zogen vorbei, nur eine blieb immer da, seit über vier Jahrzehnten: Elly Altegoer. Wobei den Nachnamen kann man sich eigentlich sparen, es sagt ja doch jeder nur "die Elly".


Elly

EllyWenn morgens über Bochum-Ehrenfeld die Sonne durch die Blätter der Königsallee dringt, sind in einem kleinen Laden an der Ecke schon die Schilder draußen. Hinter dem Schaufenster erkennt man eine lebhafte Dame in einem der letzten Tante-Emma-Läden Bochums. Hier gibt es Alles, Zeitungen, noch das gute Neue Blatt, hier wird noch Wäsche für die Heißmangel angenommen und ab Sechs gibt es belegte Brötchen, im Reich von Elly Altegoer.

In diesem Tante-Emma-Laden heißt die Emma Elly, eine Frau, die hier an dieser Stelle seit 42 Jahren alles verkauft, was der Einzelhandel so zu bieten hat, mit separaten Bereiche für Fleisch und Backwaren, und was Generationen von Schülern der benachbarten Gymnasium kennen, die Schnuckertheke, Klebriges in unnatürlichen Farben. Dafür gab es sogar schon Dankesschreiben für die »Beste Elly der Welt« von einen ganzen Abiturjahrgang. Elly Altegoer, Feinkost, Lotto-Toto-Treffpunkt, ganz viel Herz, ganz viel Ohr zum Zuhören, wenn ihre Kunden zum Plauschen kommen, über Gott und die Welt und Pilgerwege.

EllyElly Altegoer: "Also dat hab ich auch schon immer mal gewollt, aber ich denke mir mal, als Mann alleine is dat ja nicht so schlimm."
Kunde: "Viele Frauen auch alleine."
Elly Altegoer: "Tatsächlich?"
Kunde: "Auch junge Frauen, so 18 Jahre, 19 Jahre"
EllyElly Altegoer: "Ja, jaja, sehr interessant. Würde ich mir sogar noch zutrauen."
Kunde: "Ne, deswegen. Und wenn ich Rentner bin, so in fünft Jahren, ne, dann will ich von Bochum aus zu Fuß nach Jerusalem pilgern."
Elly Altegoer: "Hör auf!"
Kunde: "Nein, …"
Elly Altegoer: "Dann pilger ich mit"
EllyKunde: "Bin zwei, zweieinhalb Jahre unterwegs, mit Hund, und dann…"
Elly Altegoer: "Ja dat is ja ´nen Ding! Zu Fuß nach Jerusalem! Ja also, wenn er jetzt zu Fuß nach Rom löppt, kann ich das ja noch verstehen, aber Jerusalem? Naja"

Ellys Altegoers Lebensweisheit, vorne hat sie schon eine sieben, sie selbst sagt aber zu ihrem Alter ’69+«, da muss man nicht mehr den ganzen Tag im Laden stehen, es sei denn, man will es.

Elly Altegoer, Einzelhandel-Legende : "Ja irgendeiner hat mal gesagt zu mir: »Mein Gott, jetzt biste so alt, wie lang willste das denn noch machen?« Und dann hab ich gesagt: »Ja eigentlich haste auch recht, wie lange soll ich das denn noch machen.« Ja, und, ja, weis ich auch nicht und dann hab ich gesagt: »Man kann´s ja mal probieren.« Und je mehr sich für den Laden interessierten, je weniger wollte ich das denn dann, weil auch viele sachten: »Naja, du bist ja noch so rege und beweglich, da kannste ja was anderes machen.« Wenn ich was anderes machen kann, dann kann ich auch hier bleiben! Oder?"

EllyJa, deshalb kommen auch jeden Tag die Kunden. Einkaufen tun sie auch, aber auch für einen Kaffee bleibt immer Zeit, dazugibt es dann die belegten Brötchen. Elly mag es nicht, wenn die schon länger in der Auslage liegen, deshalb immer handgeschmiert und frisch. Der Standard-Frühstück übrigens auch für die Akteure des Bochumer Schauspielhauses, von denen viele in den benachbarten Häusern wohnten und wohnen.

Elly Altegoer, Einzelhandel-Legende : "Also ich bin hier angefangen, da war Schalla Intendant, also da kann man sich ja ausrechnen, wie lange das her is, ja und dann, meine schönste und größte Zeit war die halt mit Matthias Hartmann. Der hat dann hier in der ersten Zeit in der Villa Wahnsinn gewohnt, so nennen wir hier die Apartments vom Theater, da wohnen immer die Gastschauspieler, und als er hier am Anfang hier war, hatte noch keine Wohnung und dann halt er halt da gewohnt, und mit dem war das halt ne richtig aufregende Zeit hier. Und der hat auch alle Größen hier angeschleppt und es ging nix, bevor erstmal alle hier bei mir waren. Den Harald Schmidt hat er angeschleppt, ja genau, der ist ja ganz natürlich, die meisten kennen den ja sowieso nur aus dem Fernsehen, die haben den privat ja niemals kennengelernt. Also privat, fand ich, ist er eher bescheiden und schüchtern, also, dahinten, er ist eher der Otto Normalverbraucher."

EllyStammgast, schon seit der Steckel-Ära, Armin Rodel, der hier mal mehr mal weniger üppig frühstückt.

Elly Altegoer, Einzelhandel-Legende : "Muss ja ´nen bisschen abnehmen, da kommt da keine Butter drunter. Ja und weil er so lange schläft da bekommt er meistens kein Brötchen mehr mit, dann mach ich ihm ´nen Stiepler Bütterken, sagt man so, mit Schwarzbrot und Stuten und dann entweder Käse oder, er mag gerne Zwiebelmettwurst."

Und bei Elly gibt es wenigstens noch richtig was auf die Hälften. Aber wie lange noch, mit immer über 70?

Elly Altegoer, Einzelhandel-Legende : "Ich glaube nicht, dass ich jemals, wenn, also wenn ich den Laden jetzt vermieten würde, ich könnt das überhaupt nicht ertragen, wenn hier ´nen Anderer drin wär. Also deshalb würde ich das schon so machen, ich würd ganz bekloppt, wenn hier ´nen Anderer drin wär, und, also, dat könnt ich nicht, und deshalb würd ich das verkaufen und wollt es nie wieder sehen. Also ich könnt schon wieder heulen, brech lieber ab, dat bringt ja eh nix! Also das ist, wenn man irgendwo lange gerne war und das alles gerne gemacht hat, dann sieht das halt so aus, dann kann man ganz schlecht loslassen."

Mittwochs ab 13:00 Uhr geschlossen, sonst aber immer von Sechs bis Sechs, Schreibwaren, Tabakwaren, Lebensmittel und ganz viel Elly Altegoer.

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