Körperwelten der Tiere

Was war damals los, als der Anatom und Wissenschaftler Gunther von Hagens vor fast zwei Jahrzehnten die ersten menschlichen Plastinate der Öffentlichkeit zugänglich machte. Tote Menschen, nackt bis auf die Muskeln, Sehnen und Blutgefäße. Es ging um Moral, Ästhetik und vor allem um die Frage: Darf man das? Mittlerweile ist es ruhiger geworden, um von Hagens einst so umstrittene "Körperwelten". Fast schon auf Samtpfoten kommt jetzt die zweite Ausstellung nach Bochum. Diesmal sind es keine Menschen, sondern Tiere. Weniger Rummel aber ähnlich spektakulär.


Körperwelten der Tiere

Körperwelten der TiereMan kann eine Ausstellung über Tiere, deren das Fell über die Ohren gezogen wurde auch etwas gruselig beginnen. Man kann mit der Bildauswahl das Auge des Betrachters durchaus manipulieren. Die Ausstellung Körperwelten, ob nun Mensch oder Tier, funktioniert ja auch ein bisschen über den Grusel-Effekt, aber in Wirklichkeit ist es gar nicht so schlimm. Die Exponate, in diesem Fall heißen sie ja Plastinate, wirken durch die vielen Liter von Silikon, Azeton und Harz schon glänzend künstlich, aber das Gehirn erinnert einen immer daran: „Das hier war einmal ein echtes Lebewesen“ und da wird es dann richtig spannend, denn die Darstellung von Muskeln und Blutgefäßen ist so aufwendig und professionell gelungen, dass diese Ausstellung wirklich besondere Eindrücke liefert. Wie geht so etwas? Wie macht man aus einem toten Körper ein Plastinat?

Dr. Angelina Whalley, Kuratorin der Körperwelten-Ausstellung Körperwelten der Tiere„Das was wir machen ist zunächst mal diesen verstorbenen Körper mit Formalin fixieren, dann haben wir alle Zeit die wir brauchen um die anatomischen Strukturen herauszuarbeiten mit Hilfe von Skalpell und Pinzette. Dann erfolgt der Prozess der Plastination, d. h. man muss zunächst das Körperwasser gegen Lösungsmittel austauschen und dann in einem zweiten Schritt das Lösungsmittel gegen einen Kunststoff wie Silikon, das erfolgt im Vakuum. Wenn das Präparat dann fertig imprägniert ist nehmen wir es raus und können es in die gewünschte Pose bringen, sicherstellen das alle Strukturen an der richtigen Stelle stehen und dann wird das Exponat gehärtet und ist dann trocken, geruchsfrei und man kann es im wahrsten Sinne des Wortes begreifen.“

Eindrücke einer Ausstellung, wir lassen die Bilder mal etwas wirken.

Körperwelten der TiereKörperwelten der TiereKörperwelten der Tiere

Körperwelten der TiereNun darf man sagen, dass auch diese Ausstellung ihre Höhepunkte besitzt.
Höhepunkt 1, die Giraffe, ein tierisches Kunstwerk über zwei Etagen. Der Hals wird von einer einzigen Sehne gehalten, einzelne Wirbelkörper können bis zu 40 cm lang sein, hier sieht man alles.

Körperwelten der TiereHöhepunkt 2 ist wohl das bekannteste Fotomotiv dieser Ausstellung, wenn man ein Weitwinkelobjektiv besitzt, der Elefant. Und damit alle Diskussionen über die Herkunft der toten Tiere verstummen, wurde hier der Betreuer dieses Plastinates zur Einweihung eingeladen, und er gibt dem Objekt eine Geschichte.

Dr. Norbert Fritsch, Direktor Neunkirchner Zoologischer Garten: Körperwelten der Tiere„Die großen charismatischen Tiere haben in den Zoos meist Namen. So auch diese Elefantenkuh, sie heißt, hieß Samba. Sie lebte von 1966 an im Neunkirchner Zoo. 2005 wurde eine Operation erforderlich, sie wurde in Narkose gelegt und ist dabei leider im fortgeschrittenem Alter, aber nicht im höchsten Alter, verstorben.“

Körperwelten der TiereOb tot oder lebendig, ein Elefant bleibt ein Elefant, groß, schwer und unhandlich.

Dr. Angelina Whalley, Kuratorin der Körperwelten-Ausstellung:
„Es sind erfahrene Plastinatoren, seit jetzt über drei Jahrzehnten, aber der Elefant hat natürlich auch für uns wirklich alle Möglichkeiten gesprengt. Allein von der schieren Größe, vom Gewicht und vom großen Aufwand, der erforderlich war, das Plastinat herzustellen. Wir haben über drei Jahre daran gearbeitet, insgesamt waren es über 60000 Arbeitsstunden, viele viele 1000 Liter von Lösungsmitteln wie Azeton, mehrere 100 Kilo Silikon, also wirklich ein Exponat der Superlative.“

Körperwelten der TiereUnd davon gibt es in der Tat mehrere. Ein roter Hai in der Darstellung seiner Blutgefäße. Auch kein Plastinat, was in ein paar Wochen fertig war. Die Körperwelten der Tiere bietet nicht nur dem Laien sondern auch der Fachwelt ganz neue Einblicke. Und ein bisschen gruselig ist es auch.


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