Bahnhof Nord

Jahrelang wurde er eigentlich gar nicht so richtig beachtet. Er war halt immer da. Nur der Autofahrer an der roten Ampel zwischen Ost- und Nordring schaute mal länger drauf, auf den Bahnhof Nord, der über 100 Jahre einer der zentralen Orte in Bochum war. Jetzt will ihn der Besitzer abreißen lassen und auf einmal findet der alte Bahnhof eine öffentliche Beachtung, die er seit seiner Stillegung im Jahr 1979 nicht mehr gekannt hat. Und alle stellen sich kopfschüttelnd die gleiche Frage: warum soll dieses Bauwerk eigentlich weg?


Bahnhof Nord

Bahnhof NordWas nicht bekannt ist, ist: wann blieb die Uhr stehen? Um 13 Minuten nach 9 ist klar, aber an welchem Tag, in welchem Jahr? Irgendwann schaute man bei der Vorbeifahrt am Bahnhof Nord mal drauf und merkte: da stimmt was nicht.Mittlerweile stimmt hier so einiges nicht, denn der Bahnhof Nord soll ja bekanntermaßen abgerissen werden.

Bahnhof NordUnd derjenige, der das publik gemacht hat, ist der Bochumer Denkmalschützer und Kunsthistoriker Hans Hanke. Der hatte auf seiner Facebook-Seite über das Ansinnen des Besitzers der Brauerei Fiege berichtet.Ein Aufschrei der Empörung durchzog Bochum. Dieses historische Bauwerk abreißen? Ist es denn nicht erhaltenswert?

Dr. Hans H. Hanke, Denkmalspfleger, Historiker und Bochumer Ratsmitglied: Bahnhof Nord„Die Fiege sagen ja gar nicht, dass er nicht erhaltenswert ist, sie sagen ja nur sie sehen keine Chance. Das was ich dabei beklage, ist dass wir überhaupt keine Transparenz haben, warum sie das glauben.“

Bahnhof NordDie Bochumschau hat in diesem Jahr zwei mal nach einer Drehgenehmigung gefragt, um im Gebäude drehen zu dürfen. Die Antwort war beide Male negativ, so können wir nur von außen reinschauen. Der Zahn der Zeit an manchen Punkten ist ersichtbar.

Bahnhof NordDas Gebäude wurde im Jahr 1874 erbaut und wer bei YouTube stöbert, stößt dort auf einen Film des Eisenbahnhistorikers Rolf Schlafke mit vielen alten Impressionen des Rheinischen Bahnhofs. So hieß er früher, der Bahnhof Nord. Ein Originalausschnitt aus dem Film von Rolf Schlafke.

Rolf Schlafke: Bahnhof Nord„Hier der letzte Dampflocktyp im Ruhrgebiet. Eine 44er. Stationiert in Gelsenkirchen-Bismarck. Probsteikirche und Brauerei Fiege sind Beobachter dieser Götterdämmerung. Die 44er mit Kohlefeuerung erbrachten eine Leistung von circa 1900 PS“

Bahnhof NordFrüher Personenverkehr, dann Güterabfertigung und im Jahr 1992 die endgültige Stilllegung. Einige Jahre später übernahm die Fiege-Brauerei die Immobilie und jeder dachte, die renovieren und restaurieren, doch stattdessen wollen sie jetzt abreißen. Und jetzt?

Dr. Hans H. Hanke: Bahnhof Nord„Es gibt ja drei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist sie haben Recht. Sie können uns erklären, warum es zwar n’ toller, wichtiger Bahnhof ist, aber in der Substanz so marode ist, dass man ihn nicht mehr halten kann. Zweitens, was ich eher tippe, sie sind schlecht beraten. Sie haben ein Architekturbüro, das mit historischer Bausubstanz sich nicht so auskennt. Oder die dritte Möglichkeit es gibt hier ein Projekt, aber das hat Fiege grad verlautbaren lassen, es gäbe keine zukünftige Planung, es gibt hier doch ein Projekt, das vielleicht hier einen Neubau entstehen lassen will, der sehr rentabel ist.“

Bahnhof NordEin Neubau der rentabel ist, weil er, so eine These, eine Gastronomie beherbergen wird, um die neuen Nachbarn im Gerichtsgebäude zu verköstigen. Und dafür den Bahnhof Nord, der über 100 Jahre einer der zentralen Orte Bochums war abreißen? Was kann man dagegen noch tun?

Dr. Hans H. Hanke: Bahnhof Nord„Es gäbe durchaus eine Möglichkeit aus denkbar rechtlicher Sicht einen Abriss zu stoppen.“

Bahnhof NordEs ist an der Zeit Fakten zu präsentieren. Warum sollte dieses Bauwerk eher Ruine als Denkmal sein? In anderen Großstädten wird alte Bausubstanz ehrenhaft erhalten. Ideen und Investoren gibt es dort reichlich, warum geht so etwas nicht in Bochum? Der Stadt, die nun wirklich nicht mehr allzu viel historische Bausubstanz ihr eigen nennt.


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