Atomschutzbunker

In Bochum gibt es noch einige wenige Baurelikte aus der Zeit des "Kalten Krieges". Gemeint sind die sogenannten Atomschutzbunker, die sich noch unter den Parkhäusern an der Brückstraße, dem Südring und dem Husemannplatz befinden. Es sind betonumschlossene Katastrophenschutz-Räume, die heute eher eine museale als eine bedrohliche Ausstrahlung besitzen.


Atomschutzbunker

AtomschutzbunkerEs ist ein paar Jahre her, da hatte jemand die gute Idee, die ästhetisch mangelhafte Fassade des Parkhauses an der Brückstraße zu verspiegeln. Seit dem sieht man nur noch, wie die Autos hier hereinfahren, aber nicht mehr wie sie Parken. Parkhäuser nicht hübsch, aber notwendig. Gebaut in den 60er Jahren, als das Wirtschaftswunder die Autos in die Städte spülte. Gebaut aber auch in einer Zeit, die ein ganz anderes politisches Klima besaß. Das Erbe dieser Zeit findet man auch in Bochum.
Ulrich Kalisch, von der Bochumer Feuerwehr, öffnet uns die Stahltür um einmal in diese vergangene Zeit einzutauchen. Unterhalb des Parkhauses an der Brückstraße befindet sich nämlich ein Atomschutzbunker. Hinter dicken Schleusen und 40cm dicken Beton versteckt liegt, dieser Schutzraum für 1800 Menschen. Damals, im Jahre 1964, nannte man es Atomschutzbunker, heute wird dieser Begriff umschifft.

AtomschutzbunkerUlrich Kalisch, Feuerwehr Bochum: "Dieses Gebäude ist eine Mehrzweckanlage, praktisch ein öffentlicher Schutzraum. Mehrzweckanlage aus diesem Grund, weil dieses Bauwerk sich in einer Garage befindet und deshalb dann auch der Ausdruck »Mehrzweckanlage« und aufgrund der eingerichteten Technik ist es eine Mehrzweckanlage mit aufwendiger Technik."

AtomschutzbunkerEs sieht hier alles gleich aus, in jedem Raum die gleichen Liegen und Sitze. Über vier verschiedene Schleusen kann man diesen Bunker betreten, Küchen oder Spielzimmer gibt es nicht, Raucherräume auch nicht. Ein Blick in den Hygienebereich zeigt, dass es eigentlich nicht lohnenswert war, sich hier länger aufzuhalten, aber im Falle eines Atomschlages immer noch dies bessere Lösung. Der Atomschutzbunker, eine große, wenig charmante Wartehalle.

Ulrich Kalisch, Feuerwehr Bochum: "Dies ist praktisch ein Bereich Schleuse, hier wäre jetzt der Eingang, so, und jetzt wird hier praktisch die Verteilung im Raum erfolgen, wobei hier praktisch eine Trennung ist, so dass die Leute, die meinetwegen den ersten Raum betreten haben, nicht sich sofort im ganzen Bauwerk verteilen konnten, sondern praktisch erst immer explizit für einen Raum dann erfasst wurden, so dass wir auch die Gesamtzahl von ca. 1800 Leuten nicht überschritten haben."

AtomschutzbunkerUm noch einmal auf den Begriff »Mehrzweckanlage mit aufwendiger Technik« zurück zukommen. Hier findet man die Technik für Sauerstoff, Klima und Wasser, alles noch vorhanden und theoretisch einsatzbereit. Und dann gibt es noch die Zentrale. So stellt man sich den Hauptsitz der Staatsführung in einem Katastrophenfilm aus den 60er vor, inklusive dem Telefon mit Verbindung zum Rest der Welt. Ein Museum wird das hier alles nicht, der Besitzer dieses Bunkers ist der Bund, die Bundesauftragsverwaltung. Die braucht die Bunker jetzt nicht mehr, die werden alle zurückgebaut.

Ulrich Kalisch, Feuerwehr Bochum: "Ja, das ist Aufgabe des Bundes, weil der die ja verwaltet und da ja im Bundesgebiet einige tausend Anlagen existieren wird sich das natürlich noch hinauszögern."

Und so wird das Parkhaus an der Brückstraße in einigen Jahren kein Geheimnis mehr im Tiefgeschoss besitzen, sondern nur noch ein Parkhaus mit Keller sein.

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